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Die Wahrheit über David Duchovny

USA Weekend, Erscheinungsdatum: 26. März 2000, Originalartikel

Von Gillian Anderson
Deutsche Übersetzung von Catherine Walzer

Gillian interviewt David. Hmmm. Hört sich einfach an. Warum passierte das nicht schon vorher? Ist das eine Verschwörung? USA Weekend schickte den Akte X Co - Star an diese Aufgabe.

David Duchovny steht vor seinem Wohnwagen am Set von "Akte X" in Los Angeles und wartet auf seinen Co-Star Gillian Anderson. "Sie telefoniert gerade mit Mike Wallace," (das ist in Amerika, ein bekannter Talkmaster) sagt er mit einem schiefen Lächeln. "Sie bekommt noch Interviewtips." Er scherzt jedoch nur. Anderson hatte natürlich nicht mit Mike Wallace gesprochen. Doch auch wenn es ihre erste Aufgabe als Journalistin ist, zeigt sie deutlich, das sie gut vorbereitet ist. Sie war "erfreut" als USA Weekend sie fragte, ob sie Duchovny interviewen würde und sie war geschmeichelt das man sie für diesen Job vorschlug.

Im Schneidersitz sitzt Anderson neben Duchovny auf einer Couch in seinem Wohnwagen, sie hantiert mit ihrem achtseitigen handgeschriebenen Fragebogen und führt einen offenen und humorvollen Austausch, den die Akte X - Fans sicher historisch in Erwägung ziehen werden. Die Schauspieler besprechen verschiedene Themen: über die Gerüchte, das sie sich gegenseitig verachten würden; über die ärgerlichen Reaktionen ihrer angeblichen größten Fans und über den letzten Eindruck der Zuschauer von ihren Charakteren Fox Mulder und Dana Scully, wenn die Serie schließlich endet. Anderson (31) ist besonders neugierig darauf wie es ist wenn Duchovny (39) seine Person als Mulder mal erschüttert und einen Charmeur und Romantiker spielt wie in dem neuen Film "Return to me", der ab dem 7. April im Kino ist.

4:03 p.m., Los Angeles

Anderson: Macht es dich nervös, das du von mir interviewt wirst?

Duchovny: Ich bin nicht nervös. Ich kann es kaum erwarten deine Fragen zu hören: "Wie ist die Arbeit mit Gillian Anderson? Seid ihr zwei Freunde? Geht ihr nach der Arbeit noch zusammen weg?"

Anderson: Gut, also als allererstes, ich habe den Film gesehen.

Duchovny: Das finde ich aber sehr freundlich von dir.

Anderson: Was ich besonders daran liebe, ist das keine Spur von Mulder darin zu finden ist. Was ist das merkwürdigste für dich, wenn du ein Projekt startest, das nichts mit Akte X zu tun hat?

Duchovny: Die Wirklichkeit ist, das an diesem Punkt in meiner Laufbahn, die Zuschauer in mir Mulder sehen. Doch ich kann dagegen ankämpfen. Es ist sehr schwer - auf einmal zu versuchen etwas ganz anderes zu tun. Es ist schwer, das im Auge zu behalten, weil es nicht bewußt geschieht.

Anderson: Um Gottes Willen, wenn du einen Film machst und sie bitten dich ein erschrockenes Gesicht zu machen, dann mußt du ja verschiedene Versionen erschrockenen Gesichtern drauf haben.

Duchovny: Und du bist mit deinem Gesicht und deinem Körper eine Statue. ( im Original nennt er Gillian "stuck", womit die Gipsverzierungen gemeint sind, das kann man daher schlecht übersetzten). Es wird dir ähnlich ergehen, wenn du mal keine Mengen von Make-up drauf hast und ohne einen Akzent sprechen mußt.

Anderson: Was brachte dich dazu "Return to Me" zu drehen?

Duchovny: Ich mochte die altmodischen Eigenschaften des Filmes. Die Einfachheit des Humors und die Charaktere konnten nicht weiter von den verwickelten Handlungen der "Akte X" entfernt sein. ( Er spielt einen Witwer der Minnie Driver verfällt, diese hat in einer Herztransplantation das Herz seiner verstorbenen Frau erhalten)

Anderson: Stört es dich nicht, wieder eine Romanze spielen, wo du doch eigentlich zur nächsten Level übergehen wolltest?

Duchovny: Ich erinnere mich an die Arbeit, die ich vor "Akte X" gemacht habe. Da waren eine Menge von Liebesszenen. Ich brauche nicht das Gefühl zeigen zu müssen, das ich auf der Leinwand einen Orgasmus vortäuschen kann. (Anderson lacht)

Anderson: Da habe ich was für dich. Wie würdest du unsere Beziehung beschreiben?

Duchovny: Sie ist wie die Wurzeln eines Baumes. Du weißt das der Baum lebendig ist und das er seinen Weg geht, und doch könntest du nichts daran ändern. Du könntest schon, aber du bräuchtest die Hilfe eines Spezialisten.

Anderson: (in schallendem Gelächter) Sowas wie einen Therapeuten?

Duchovny: Genau. Ich denke dabei immer zurück an die vierte oder fünfte Episode. Ich saß mit Chris Carter im Büro und er wollte uns eigentlich helfen. Er war besorgt über unser gemeinsames Verhalten auf der Leinwand. Er sagte, ihr seht gelangweilt oder ärgerlich aufeinander aus. Ihr solltet euch vielleicht mit jemandem treffen. "Ich dachte, Was? Wir sollen als unsere Charaktere zu jemanden gehen? Hi, mein Name ist Fox Mulder. Das ist meine Partnerin Scully. Wir sind hier zur Eheberatung."

Anderson: Ich erinnere mich gar nicht mehr daran.

Duchovny: Du warst vielleicht gerade nicht im Raum. Aber vielleicht sollten wir in eine Therapie für Schauspieler von über - einen - längeren - Zeitraum - gelaufenen Serien besuchen. Für die Besetzung von "Friends" wäre es auch nicht schlecht mal in eine Gruppentherapie zu gehen. Wir hätten eine Ehetherapie besucht, gerade weil wir nicht zusammen sind. Eigentlich dachte ich, als Chris das sagte, er sei geisteskrank. Doch wir haben so viel Zeit zusammen verbracht, und wir führen eine komplizierte Beziehung. Sobald ich gesagt habe, "Nein, wir treffen uns nicht nach der Arbeit," hieß es gleich "Ihr haßt eineinander." Es scheint in den Gedanken der Fans keinen Platz - so wurde es jedenfalls von den Journalisten dargestellt-für eine komplizierte Beziehung zwischen uns zu geben.

Anderson: Haßt du Mulder?

Duchovny: Nein, ich hasse es nur das die Leute denken ich bin Mulder. Das ist sehr seltsam. Ich hasse es Mulder genannt zu werden. Ich mag es auch nicht wenn man mich Scully nennt. Wurdest du schon jemals Mulder genannt?

Anderson: Ja. Es ist schon bizarr.

Duchovny: Die Leute sagen zu mir, "Ich bin ein riesengroßer Fan, Scully! Ich liebe deine Serie, Scully." (Beide lachen schallend) Oder sie sagen, "Wo ist Scully?"

Anderson: Was war für dich das Schwierigste in den letzen sieben Jahren?

Duchovny: Wahrscheinlich der Ärger in Vancouver. ( Er hatte dort abschätzige Kommentare zur der kanadischen Stadt losgelassen, wo "Akte X" bis zur fünften Staffel gedreht wurde. Später sagte er aber er hätte nur Witze gemacht.) Ich hatte mich selbst in eine Situation gebracht, die ich nicht wieder in Ordnung bringen konnte. Die Leute waren verärgert. Das war keine Absicht.

Anderson: Schließlich ist "Akte X" ja nach Los Angeles umgezogen. Vermißt du Vancouver manchmal?

Duchovny: Die ganze Zeit. Doch ich war hartnäckig. Ich weigerte mich zuzugeben, das mir irgend etwas oder irgend jemand (aus Vancouver) fehlt, denn ich war verärgert darüber das man mich dort so mißverstanden hatte. Ich will aber nicht, das man das als Entschuldigung mißversteht. Sonst werden sie sagen, "Der ist ja noch dümmer." Ich denke es war ein großartiger Ort. Aber L.A. ist für mich immer noch der bessere Platz.

Anderson: Was empfindest du als die größte Enttäuschung an dir?

Duchovny: Das ich keinen Regen mag. (Pause) Mir fällt sonst nichts ein. Beim Beantworten von Fragen wie diesen, gebe ich oft eine falsche Vorstellung von mir ab. Die Leute denken bei mir nicht an rotes Haar doch wenn ich darüber spreche, werden sie denken, "Vielleicht tut er es." Das nächste was ich weiß, ist das die Leute sagen werden, "Ich dachte du hättest rotes Haar."

Anderson: Sind deine öffentliche und deine private Person weit von einander entfernt?

Duchovny: Du willst doch nicht in einer so albernen Situation wie in einer Talkshow Dinge aufdecken die für dich von Bedeutung sind. Du willst deinen Job als Schauspieler machen, welcher ist, die (Publikums-) Maschine zu füttern, doch auch du willst am Ende des Tages nach Hause gehen und dich in deiner Haut wohl fühlen und nicht erst sechs Schichten abschrubben müssen. So erscheine ich oft, als würde ich die Dinge nicht ernst nehmen. Doch ich scherze nur. Denn ich nehme das alles sehr ernst.

Anderson: Ist die Einsamkeit wichtig für dich?

Duchovny: Du bist nicht die einzige Person, die ich nicht nach der Arbeit treffe. Ich war ziemlich oft alleine. Tea versteht das. Sie ist nicht verletzt, wenn ich mal alleine sein will.

Anderson: Wenn du sofort zwei unterschiedliche Leben haben könntest, das eine würde so wie du jetzt lebst sein, wie würde das andere sein?

Duchovny: Kann ich eine Lebenslinie benutzen? Kann ich jemand in America anrufen? (Sie lacht. Er denkt nach.) Ich würde Profiathlet oder Lehrer sein.

Anderson: Wenn du die letzten sieben Jahre überdenkst, was würdest du ändern wollen?

Duchovny: Ich hätte viele Dinge schriftlich festhalten sollen, anstatt nur per Handschlag.

Anderson: Was weißt du über mich, was ich nicht von mir weiß ? Es können auch negative Dinge sein. Ich bin ja schon erwachsen.

Duchovny: Du solltest deine Sommersprossen nicht verdecken. Du sollst dich zu Beginn der Serie geweigert haben, sie mit Make-up zu verdecken und du solltest dich jetzt auch noch weigern. Das ist eine Sache von Chris Carter. Ich weiß, das es keine Eitelkeit von dir ist. Er hielt dein Gesicht für deine Sommersprossen nicht groß genug. Und so hast du sieben Jahre lang Make-up auf deine Sommersprossen gemacht. Die Sommersprossen sind für beide, Scully und Gillian, schön. Oh - und es ist auch ein Schönheitsmerkmal. Man sollte es nicht so nennen.( er nennt es "mole", was soviel wie Muttermal bedeutet ) Wachsen eigentlich keine Haare aus ihnen heraus?

Anderson: Nein.

Duchovny: Du magst es nicht, wenn ich dir Fragen stelle, oder?

Anderson: (Lacht.) Meinst du, wir könnten einen Film, indem es nicht um Akte X geht, zusammen machen?

Duchovny: Absolut. Es würde Spaß machen, mal Charaktere darzustellen, die eine offenere Beziehung haben. Es würde Spaß machen mal eine sprunghafte Beziehung zu spielen.

Anderson: Da war mal ein Film den ich machen wollte, ich hörte das sie dich als Mann besetzen wollten.

Duchovny: Theoretisch ist es witzig darüber nachzudenken, aber es gibt praktisch keine Möglichkeit das zu machen. Wenn es nicht das beste Drehbuch wäre müßte je einer von uns lesen und wir würden sagen "Vergeßt Scully und Mulder. Wir haben es getan." Sonst würde es ja albern wirken. Die Leute würden nur noch ins Kino gehen, um sich einen Spaß aus uns zu machen. (Beide lachen.) Man sollte es nicht unterschätzen, was die Leute alles machen, um Spaß zu haben.

Anderson: Ich weiß nichts übers Spaß machen, aber sicherlich können die Zuschauer das beurteilen.

Anderson: Zu der Zeit als Piper (ihre fünfjährige Tochter) geboren wurde, bekam ich viele handgemachte Geschenke von Menschen aus der ganzen Welt. Es zeigten sich andere Aspekte der Fans, die ich vorher nicht gekannt habe--- diese basieren mehr auf Dankbarkeit und Liebe anstatt auf ärgerlichen Belästigungen. Weißt du was ich damit meine?

Duchovny: Nein. Ich vermute mal, das meine Fans keine großen Handarbeiter sind.

Anderson: Gibt es irgend etwas was du sammelst? Sowas wie kleine Jade-Elefanten?

Duchovny: Ja! Das beginnt jetzt. Bitte Fans, schickt mir Jade-Elefanten. Große, kleine-ich werde sie alle sammeln.

Anderson: Hast du irgendwelche Gedanken zum Ende der Serie?

Duchovny: Wir werden auf jeden Fall Filme drehen und ich glaube auch nicht das es das endgültige Ende sein wird. Es wird ein Schluß sein, der nach wahren Tatsachen und selbstbewußt endet. Ich denke es wird zu überladen sein und daher nicht richtig klappen. Mein bevorzugtes Image, wie die Serie nach sieben Jahren enden sollte ist mit einer schwarzweiß Folge, wo sie uns langsam tanzen lassen. Wie auch immer es enden wird, so wäre es mir am jedenfalls am liebsten.

Anderson: Das war's. Ich habe alle meine Fragen gestellt.

Duchovny: Ich werde das niemals ernst nehmen, da du deinen Job gut gemacht hast. So, kommst du jetzt in zwei Wochen wieder und stellst mir weitere Fragen? (Beide lachen.)

(02.04.00)

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