SucheFree ePostcardsHomeContact / FeedbackChatThe X Net ForumLinksMultimediaFotogalerieA-Z der X-FilesEnglische und deutsche TranscripteEpisode GuideNewsSitemap
Akte X Auktionen Akte X und die Darsteller im TVThe German X-Files FAQSpoilers of the XThe Lone GunmenX-FilesMusic.de
Newsletter Archiv TV Termine Archiv, englische News Englische News Archiv, deutsche News Aktuelles

Bewerte 9x19 Die Wahrheit
1 Sehr Gut
2 Gut
3 Befriedigend
4 Ausreichend
5 Mangelhaft
6 Ungenügend
     Results
Der paranoide Supertext

Die populärste Fernsehserie der neunziger Jahre nun auch im Kino: "Akte X: Der Film"

Von Sabine Horst

Direkte Ausfälle gegen die Konkurrenz gehören inszwischen zu den Usancen des Blockbuster-Geschäfts. So auch in der ersten Akte X-Kinoproduktion: Da pinkelt der angetrunkene FBI-Mann Fox Mulder in einer schmuddeligen Gasse ein altes Plakat zu Independence Day an. Die Geste wirkt um so selbstgewisser, als die Werbekampagne für den eigenen Film unerwartet zurückhaltend angelegt war. Chris Carter, das Mastermind hinter den X-Files, hat sich offenkundig darum bemüht, jene Fans nicht zu verschrecken, die aus einer anfangs von der Absetzung bedrohten, bizarren kleinen Genreshow die populärste TV-Serie der neunziger Jahre gemacht haben.

Anders als den überproduzierten Star Trek-Filmen, mit denen in den siebziger Jahren die kommerzielle Verbrüderung der einstmals feindlichen Medien Fernsehen und Film begonnen hatte, merkt man Akte X - Fight the Future selten die Absicht an, ein Erfolgskonzept in großem Rahmen auszubeuten. Vielmehr ist es Carter als bisher einzigem Fernsehmacher gelungen, Kino- und Serienformat bruchlos zu überblenden.

In den USA, wo die Zuschauer schon etwas fortgeschrittener sind als bei uns, paßt sich der Film in die Sommerpause zwischen der fünften und sechsten Staffel ein. Zerfällt die Serie in zwei verschiedene Arten von Episoden - eigenständige "Monster of the Week"-Geschichten und Folgen, die einen übergeordneten Storybogen, die "Mythologie" der Serie, entfalten - so laufen in Fight the Future zentrale Fäden der konspirativen Haupthandlung zusammen. Diese X-Files sind am Ende der letzten Staffel vernichtet worden, die Agenten Mulder und Scully (David Duchovny und Gillian Anderson haben den Transfer auf die Leinwand mühelos bewältigt) finden sich vom paranormalen Betrieb in den FBI-Alltag zurückversetzt.

Doch ein Bombenanschlag, der an das Oklahoma-City-Attentat von 1995 erinnert, bringt sie wieder auf die Spur des Syndikats, einer Bande politischer "global players", die nicht nur seit Jahrzehnten wissen, daß SIE mitten unter uns sind, sondern mit einer besonders aggressiven, parasitären Spezies extraterrestrischer Besucher eine zweifelhafte Bündnispolitik betreiben. Zwischen den Maisfeldern des amerikanischen Mittelwestens, so Mulder und Scully wie Cary Grant bei Hitchcock "duck and cover" üben müssen, und dem ewigen Eis, das im Kino schon öfter als Frischhaltetruhe für Dinge "aus einer anderen Welt" gedient hat, spielt sich die Suche nach der Wahrheit ab. Aber weil es im Herbst weitergehen muß und der berüchtigte "Frustrationsfaktor" nun einmal den größten Reiz der Serie bildet, kommen die Helden wieder nicht so recht darauf, was es mit den außerirdischen Plänen zur Kolonisierung der Erde auf sich hat.

Der von Rob Bowman inszenierte Film sieht, anders als so manche TV-Episode, nicht aus, als sei jemand mit dem Stroboskop, das er zu Weihnachten bekommen hat, in den Kohlenkeller hinuntergestiegen - die Farben sind satter, die Sets gleichmäßiger ausgeleuchtet, das Ganze hat mehr Glamour. Aber die für Akte X typische Erzählweise mit ihrer Mischung aus Ellipsen, fliegenden Ortswechseln und zerdehnten, unterkühlt gespielten Dialogpassagen läßt Fight the Future auch im aktuellen Genrekino noch angenehm schräg wirken.

Es sind weniger die hier zum erstenmal an H.R. Gigers Alien erinnernden außerirdischen Infiltratoren, die den Effekt machen, als vielmehr die atmosphärischen Details, die darauf verweisen, daß Amerika auch unter Clintons zweitem Frühling kein glückliches Land ist: ein Büroblock im Zustand der Belagerung, eine leergefegte Dorfwiese, die von Männern in Schutzanzügen buchstäblich aufgerollt wird, chemisch-biologische Experimentieranlagen mitten in blühenden Feldern, trostlose Straßen, in denen tödliche Geheimnisse gemurmelt (als neuer "Deep Throat": Martin Landau) und dunkle Limousinen in die Luft gesprengt werden. Dazu der "body horror", der Akte X schon immer umgetrieben hat: Die Furcht vor der totalen Enteignung, dem Mißbrauch des eigenen Körpers durch finstere Mächte, Pharmakonzerne, Umweltverschmutzer, die Wissenschaft, das Militär - oder eben im Zusammenhang der "alien abducitions", einer amerikanischen Zwangsvorstellung, die kritische Studien als Vergewaltigungsphantasie mit vielfältigen sozialen und politischen Konnotationen gedeutet haben.

Man hat sich hierzulande daran gewöhnt, Verschwörungstheorien entweder als rechte Ideologie zu betrachten oder sie als eine Form dubioser Folklore zu belächeln. Der amerikanische Literaturwissenschaftler Fredric Jameson findet dagegen durchaus produktive Ansätze in den Verschwörungsgeschichten, wie sie die amerikanische Populärkultur seit den ausgehenden sechziger Jahren so gerne erzählt, irgendwo zwischen den Romanen von Thomas Pynchon und Filmen wie The Parallax View oder Videodrome. Der "Konspirationstext", schreibt Jameson, sei auch ein "unbewußter, kolletiver Versuch, herauszufinden, wo wir stehen, mit welchen Landschaften und Kräften wir konfrontiert sind in einem späten 20. Jahrhundert, dessen Abscheulichkeiten verschräft werden durch ihre Vertuschung und bürokratische Unpersönlichkeit".

Dabei sei nichts gewonnen, wenn diese oder jene Verschwörungstheorie sich belegen ließe - es komme bloß auf die Geste an, darauf, überhaupt noch eine Hypothese zu wagen. Die X-Files, die sich inzwischen übers einzelne serielle Produkt hinaus zum paranoiden Supertext der neunziger Jahre entwickelt haben, stehen durchaus in dieser Tradition. Und wenn die Hypothesen der Show besonders seltsam und schmuddelig wirken, dann deshalb, weil sie sich genau der seltsamen und schmuddeligen Bilder bedient, die unser Jahrzehnt prägen - tatsächlich ist ja der gröbste Humbug, den die X-Akten auftischen, sozialpsychologisch oder kulturell betrachtet Realität. Zu Zeiten von Watergate gab es noch einen konsensfähigen Standpunkt, von dem aus sich die Machtverhältnisse betrachten ließen, und eine Washington Post, die sie bloßstellte. Heute starren wir, wie Fox Mulder am Ende des Akte X-Films, in den Himmel und fragen uns, ob sonst noch irgendeiner DAS gesehen hat.

Frankfurter Rundschau

  Guide: Titelresearch 9x19
Artwork: Neue Collage
Guide: Timeline
Transcript: Closure (deutsch)
 
Email Login
Password
New users
sign up!
DVD: Akte X Season 5 - RC2 (D)

DVD: Göttliche Vorsehung 9x10 und 9x11

DVD: Akte X Season 4 - RC2 (D)