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Filmkritik: Irdische Liebe, außerirdischer Hokuspokus
In "Akte X - Der Film" wabbeln die Schleimköpfe. Und Mulder versucht zweimal, Scully zu küssen
Die "Akte X" - Gemeinde darf sich freuen. Was jahrelang in diesem weltweit erfolgreichen TV-Vielteiler schier unmöglich schien, macht jetzt Rob Bowmans Kinofilm zur Serie endlich möglich. Mulder (David Duchovny) liebt Scully (Gillian Anderson). Und Scully liebt Mulder.
Obwohl bei der schon vorab mit großem PR-Getrommel mächtig angekündigten Kuß-Szene letzte Zweifel bleiben. Denn bei Mulders erstem Versuch kommt eine Killerbiene samt außerirdischem Virus dazwischen, während beim zweiten Mal Scully eigentlich ohnmächtig ist. Aber nur eigentlich, denn ganz genau weiß man es eben nicht.
Doch das hat ja bei "Akte X" Methode, wo viel erklärt, aber dennoch alles im Unklaren bleibt. Bis auf die Tatsache, daß hinter allem irgendeine verzwickte Verschwörung steckt. In diesem konkreten Kino-Fall haben sich gleich die Mächtigen dieser Welt (oder eine Elite von Mächtigen?) mit den Außerirdischen verschworen. Was ihnen jedoch nichts nützt, denn die schleimigen Wabbelköpfe haben mit der Welt ganz was anderes vor. Was, weiß indes noch nicht einmal der Kuckuck.
Doch zum Glück gibt's ja Mulder und Scully, die anfangs als FBI-Agenten in ein scheinbar normales Bombenattentat verwickelt werden. Aber dann stellt sich schnell heraus, daß mit der vermeintlich terroristischen Sprengung eines Hochhauses in Dallas nur die Spuren eines anderen bösen Zwischenfalls verwischt werden sollten. Irgendwo mitten in der schönsten Wüste sind nämlich zufällig tödliche Viren ausgebrochen, und diese Viren sind wiederum außerirdischen Ursprungs. Oder, genauer gesagt: die Erben der Außerirdischen, die einst, lange vor den Menschen, unsere Erde bevölkert haben.
Wer bereits jetzt den Kopf schüttelt, weil ihm die Geschichte nicht von dieser Welt zu sein scheint, der sitzt wirklich im falschen Kino. Denn auch in diesem Film präsentiert uns der mittlerweile legendäre Erfinder und Autor der Serie, Chris Carter, natürlich sein beliebtes Gemisch aus ein bißchen Öko-Kritik, viel außerirdischem Hokuspokus und noch mehr Verschwörungsallerlei. Und trifft damit genau den Geschmack seiner offensichtlich recht jungen Zuschauergemeinde, die, was ihre eigene Zukunft angeht, halt genau wie Serienheld Mulder von Unsicherheiten und Zweifeln geplagt wird und vermutlich sogar dem ungewöhnlichen Motto und Untertitel dieses Films zustimmt: Fight the Future.
Dennoch, auch in der Gegenwart läßt sich dies alles im Kino recht gut ertragen. Zwar wird ein wenig zu viel erläutert, um so vermutlich Nicht-Kennern der Serie wortreich auf die Sprünge zu helfen, aber der Film selbst besitzt genug Atmosphäre und vor allem gute Schauspieler in noch besseren Kameraeinstellungen. Daß Mulder und Scully auch auf der großen Leinwand ein überaus präsentes und sogar überraschend witziges Paar abgeben würden, das allerdings hat man ja immer schon geahnt. Und daß er sie und sie ihn liebt, das mußte ja irgendwann mal auffliegen. [Weser-Kurier]
(10.08.98)
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