"THE X FILES" - "AKTE X" Deutsches Transkript von "How the Ghosts stole Christmas" 6X08 (oder 6AB08) Notiz der Autorin: Dieses Transkript wurde nach der US-amerikanischen Vorlage übersetzt. Ob sie dem genauen Wortlaut der deutschen Version entspricht, kann ich nicht sagen. Zum Zeitpunkt der Übersetzung (Juli 1999) war noch keine einzige Folge der sechsten Staffel im Fernsehen gezeigt worden. Auch der Titel ist direkt übersetzt. Aller Wahrscheinlichkeit wird es einen anderen geben. Thanx for your attention, KIT-X. ________________________________________________________________________________ Disclaimer: Die Charaktere der Serie "The X Files" gehören 20th Century Fox, Chris Carter und den Ten Thirteen Prodcuctions. Keine Verletzung des Copyrights beabsichtigt. Die hier gezeigten Fotos aus der Folge sind ebenfalls das Eigentum von 20th Century Fox. ________________________________________________________________________________ Wie die Geister Weihnachten stahlen (Nacht. Außerhalb eines gespenstischen Gebäudes. Ein Autoradio spielt Weihnachtslieder. Wir hören BING CROSBYS Version von "Have Yourself A Merry Little Christmas" . Wir sehen, dass es sich dabei um MULDERS Radio handelt. SCULLY hält neben ihm. Sie lassen beide ihre Fenster herunter.) BING CROSBY: Have yourself a merry little Christmas let yourself be light From now on, our troubles will be out of sight... MULDER: (froh, sie zu sehen) Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben. SCULLY: Entschuldigung. Aber die Straßen waren so voll, wie die 95 zur Rush Hour. Wenn ich mir noch einmal "Stille Nacht" hätte anhören müssen, hätte ich mir eine Geisel genommen. - Was machen wir hier? MULDER: Ermitteln. SCULLY: Am Weihnachtsabend? MULDER: Das ist ein wichtiges Datum. SCULLY: (ironisch). Ach nein!? MULDER: Der Grund, warum wir hier sind. Warum steigen Sie nicht aus Ihrem Wagen und lassen sich von mir einweihen? SCULLY: Mulder, ich muss noch Geschenke einpacken. Es ist die Nacht vor Weihnachten. BING CROSBY: Here we are... (MULDER wirft einen kurzen Blick auf den Rücksitz von SCULLYS Auto. Er ist vollgestopft mit Paketen.) MULDER: Oh. BING CROSBY: Happy golden days of yore... (SCULLY lässt ihr Fenster wieder hochfahren, steigt aus dem Auto und lässt sich auf den Beifahrersitz von MULDERS Wagen fallen.) SCULLY: Okay, ich höre. Weihen Sie mich ein. MULDER: Wenn Sie noch Weihnachtsvorbereitungen treffen müssen, dann möchte ich nicht... Sie wissen schon... SCULLY: Mulder, ich bin den ganzen Weg hierher gefahren. Ich würde gerne wissen, warum ich das getan habe. MULDER: Ich dachte bloß, Sie wären etwas... neugieriger. SCULLY: (mit einem nachgebenden Seufzen) Wer wohnt in diesem Haus? MULDER: Niemand. SCULLY: Wen beobachten wir denn dann? MULDER: Die ehemaligen Bewohner. SCULLY: Sie sind zurückgekehrt? MULDER: Das ist die Story. SCULLY: (sehr sarkastisch) Oh, verstehe. Das dunkle, gothische Gut, der, ähm, allgegenwärtige Nebel, der schwer über dem wuchernden Gesträuch hängt. Warten Sie - habe ich da gerade einen Jagdhund im Moor heulen hören? MULDER: Nein, In Wirklichkeit war das ein daherschleichendes Monster. SCULLY: Mulder, sagen Sie mir bitte nicht, dass Sie mich am Weihnachtsabend hierher gerufen haben, damit ich mit Ihnen auf Geisterjagd gehe! MULDER: Der Fachausdruck wäre wohl eher "Erscheinung". SCULLY: Mulder, nennen Sie es, wie Sie wollen. Ich habe meinen freien Tag! Morgen um sechs habe ich ein großes Familientreffen unter dem Weihnachtsbaum... (MULDER verschließt die Autotür.) MULDER: Ich werd' es kurz machen. Ihnen bloß ein paar Details erläutern. SCULLY: Okay. MULDER: Weihnachten 1917. Es war eine Zeit voller dunkler Verzweiflung. Amerikanische Soldaten starben zu Hunderten im Krieg gegen Europa, während zu Hause ein Grippevirus Menschen jeden Alters befiel. Tragödie hieß der Besucher auf jeder Türschwelle, während die quälende Hoffnungslosigkeit einen jeden Menschen begleitete, jeden Mann, jede Frau, jedes Kind. Es war eine Zeit voller dunkler Verzweiflung. SCULLY: (unbeeindruckt) Das sagten Sie bereits. MULDER: Aber hier, in der 1501 Larkspur Lane, war der Grund für die Tragödie eines Liebespaares nicht der abscheuliche Krieg - weder Truppen noch Bomber - sondern ihr eigenes unschuldiges Handeln. SCULLY: Erzählen Sie weiter. MULDER: Sein Name war Maurice. Er war ein... ein dekadenter aber heldenhafter junger Mann, geliebt von Lydia, einer unbekümmerten Schönheit, der ein sie umgebendes Licht allüberall zu folgen schien. Die beiden waren wie Engel, die vom Himmel herabgestiegen waren, und die die Götter nicht vor dem Horror bewahren konnten, der sie auf dieser kalten, grauen Erde heimsuchte. SCULLY: Was ist mit ihnen geschehen? MULDER: Gepeinigt von einer tragischen Angst, Angst davor, voneinander getrennt zu werden, schmiedeten sie einen Liebes-Vertrag, sodass sie die Ewigkeit miteinander verbringen konnten und niemals eine einzige Weihnacht alleine verbringen mussten. SCULLY: Sie haben sich selbst umgebracht? MULDER: Und ihre Seelen kehren jede Weihnachtsnacht in dieses Haus zurück.. (SCULLY lacht.) MULDER: Das hat mich erschauern lassen. SCULLY: Das ist eine gute Story, Mulder... Und sehr gut erzählt, aber ich glaube sie nicht. MULDER: Sie glauben nicht an Geister? SCULLY: Überrascht Sie das? MULDER: Nun... Ja. Ich dachte immer, dass jeder an Geister glaubt. SCULLY: Mulder, wenn das hier eine andere Nacht wäre, würde ich mich vielleicht von Ihnen beschwätzen lassen, aber die Hallen sind geschmückt und ich muss gehen. (SCULLY steigt aus dem Auto und geht auf ihren Wagen zu. MULDER steigt ebenfalls aus und nähert sich dem Haus.) MULDER: Grüßen Sie Ihre Familie von mir. SCULLY: Was haben Sie vor? Mulder, ist denn da niemand, bei dem Sie sein sollten? MULDER: Ich will mich nur mal kurz umsehen. SCULLY: (allein, zu sich selbst) Ich werde es nicht tun! Mein Vorsatz für's neue Jahr. (SCULLY greift in ihre Tasche. Keine Schlüssel. Sie schaut durch das Fenster in Mulders Auto. Keine Schlüssel. Sie schaut in ihr Auto. Keine Schlüssel.) (Das Geräusch einer quietschenden Tür, als MULDER das Haus betritt. Er knipst seine Taschenlampe an und lässt den hellen Strahl durch das Foyer tanzen. Donnergrollen, als SCULLY ihm in das Haus folgt.) SCULLY: Mulder! MULDER: (überrascht) Haben Sie Ihre Meinung geändert? SCULLY: Haben Sie meine Schlüssel genommen? MULDER: Nein. SCULLY: Kommen Sie, Mulder. Verarschen Sie mich nicht! MULDER: Warum sollte ich Ihre Autoschlüssel nehmen? SCULLY: Vielleicht haben Sie sie, ähm... na ja, aus Versehen eingesteckt? MULDER: Vielleicht war's ein Geist. (Sie schauen sich beide um, als ein klopfendes Geräusch über ihnen ertönt. Dann spähen sie zur Uhr im Foyer hinauf, die ein Glockenspiel ertönen lässt. - Der Name der Uhr ist J. Cameron. Süße Anlehnung an "Titanic". - Man hört das Geräusch des Windes.) MULDER: Hier zieht's! SCULLY: Irgendwo da oben muss ein Fenster offen stehen. Im Wetterbericht haben sie von einer 80%igen Regenwahrscheinlichkeit gesprochen... eventuell ist sogar eine weiße Weihnacht drin. (Krachender Donner. Die Haustür schlägt zu. SCULLY rennt zu ihr, um sie wieder zu öffnen. Vergeblich.) <1. SZENE> (Selbe Szene.) MULDER: Ich glaube, die Geister sind mit uns. SCULLY: (versucht noch immer, die Tür zu öffnen) Mulder, würden Sie bitte damit aufhören, zu versuchen mir Angst einzujagen, und mir statt dessen helfen, diese Tür aufzukriegen?! MULDER: Es klingt so, als ob jemand da oben herumläuft. (Mehr Geklopfe im ersten Stock.) MULDER: Da! Haben Sie das gehört? SCULLY: Mulder, Ich muss wirklich gehen! MULDER: Hier gibt es nichts, wovor man sich fürchten müsste. SCULLY: Ich fürchte mich nicht, okay? MULDER: Geister sind gütige Wesen. (Das Geräusch von rasselnden Ketten erschallt aus dem Obergeschoss.) MULDER: (einlenkend, nicht ohne Schalk) Meistens. SCULLY: Sie jagen mir keine Angst ein, Mulder. (SCULLY überprüft ihre Uhr.11:03. Sie sieht zur Uhr in der Halle hinauf. Sie zeigt die gleiche Uhrzeit an: 11:03.) SCULLY: Ich muss wirklich nach Hause. (MULDER beginnt, die Treppe hinaufzusteigen, lässt SCULLY zurück. Ein Lichtblitz zeigt ihr die Silhouette einer Figur, die neben dem Fenster steht. Als es erneut blitzt, ist die Figur verschwunden. SCULLY folgt MULDER.) SCULLY: Mulder... MULDER: Shh! Was ist das? (Das Klopfen hört auf.) SCULLY: Das sind Tricks, die uns unser Geist spielt. Clichés von tausend verschiedenen Horrorfilmen sind dort verwurzelt. Wenn wir ein Geräusch hören, frösteln wir. Wir... wir sehen einen Schatten, und wir erlauben es uns, uns einzubilden, es wäre etwas, was eine andere rationale Person nicht für bare Münze nehmen würde. Das ganze... Mulder? (Sie folgt ihm hinauf in den zweiten Stock.) Diese komplette Idee eines gütigen Wesens passt perfekt zu dem, was ich gerade gesagt habe. Dass sich ein Geist materialisieren würde, um zurückzukehren, mit keiner anderen Absicht, als sich selbst zu zeigen, ist bescheuert und lächerlich. Ich meine, was das wirklich zeigt ist, wie bescheuert und lächerlich wir geworden sind, indem wir an diese Dinge glauben. Ich meine, dass... dass wir alle natürlichen Gesetze ignorieren, die materielle Körper betreffen. (MULDER probiert sich an einer verschlossenen Tür) Dass... dass wir diese Geister bezeugen, bekleidet in... in ihren eigenen schäbigen Outfits, mit dem gleichen alten Haarschnitt und den gleichen alten Frisuren, niemals alternd, niemals... niemals auf der Suche nach gemütlicheren, bequemeren Umgebungen... - es endet wirklich damit, dass man mehr über das Leben aussagt, als über den Tod. MULDER: (versucht sich an einer anderen verschlossenen Tür) Mm-hmm. SCULLY: Was ich sagen will, Mulder, ist... es ist keine Ausbildung in Psychologie nötig, um dieses... dieses unbewusste Verlangen nach Befriedigung durch diese Einbildungen zu verstehen. Wissen Sie, das... das Verlangen nach Unsterblichkeit, die Hoffnung, dass da etwas ist, nach dieser sterblichen Welt... (MULDER versucht sich an einer anderen verschlossenen Tür) dass... dass wir vielleicht niemals ohne die Menschen leben müssen, die wir geliebt haben. Ich meine, das sind starke, unglaublich starke Wünsche. Ich denke, sie sind die eigentliche Grundsubstanz, die uns menschlich macht. Die spezielle Essenz von Weihnachten, zum Beispiel. (Sie drehen sich beide um, als eine Tür quietscht, während sie sich langsam selbst öffnet. Ein Licht ist in dem Raum dahinter.) MULDER: (leise) Sagen Sie mir, dass Sie keine Angst haben. SCULLY: Okay, ich habe Angst... aber es ist eine irrationale Angst. (SCULLY holt ein paar Mal tief Luft, dann geht sie auf die Tür zu.) MULDER: (bewegt sich nicht) Ich gebe Ihnen Deckung... SCULLY: (ironisch, flüstert) Danke. (SCULLY stößt die Tür auf und schaut in den Raum dahinter.) SCULLY: Mulder, ist Ihnen schon einmal der Gedanke gekommen, dass es hier keine Geister gibt, sondern dass tatsächlich jemand hier wohnt? MULDER: Niemand wohnt hier. SCULLY: Aber als wir draußen in Ihrem Wagen gesessen haben, war hier nicht ein einziges Licht an. Und sehen Sie sich das an! (MULDER und SCULLY betreten eine elegante, zweistöckige Bibliothek aus der Jahrhundertwende. Eine Leiter führt nach unten, in den Teil im ersten Stock. Die Möbel sind mit weißen Tüchern bedeckt. Kronleuchter. Wundervolle Harfenmusik.) MULDER: Hier muss wohl die Elektronik die Finger im Spiel haben... SCULLY: Mulder, haben Sie bemerkt, dass die Uhr im Erdgeschoss die exakte Uhrzeit anzeigt? MULDER: Tut sie das? SCULLY: Und wie erklären Sie das? (Hinweise auf eine rauchende Feuerstelle. Sie steigen die Leiter zu ihr hinab.) SCULLY: Das Feuer ist gerade eben erst ausgegangen. MULDER: Ja... SCULLY: Gucken Sie nicht so enttäuscht drein. MULDER: Warum sollte jemand in einem verfluchten Haus wohnen wollen? SCULLY: Mulder, reicht es denn nicht, dass es heimgesucht ist? Muss es den verflucht sein? MULDER: Jedes Paar, das jemals hier gelebt hat, hatte ein tragisches Ende. Drei Doppelmorde in den letzten 80 Jahren. Alle am Weihnachtsabend. (Von oben erschallt das Geräusch einer Tür, die zugeschlagen wird.) MULDER: Whoa... Da ist dieses Geräusch schon wieder! (Sie schauen auf die Flurbretter hinab, die knarren. MULDER schiebt ein Möbelstück weg und presst sein Ohr auf den Boden. Die Türen der Bibliothek quietschen. SCULLY schaut zu ihnen auf, dann fällt ihr auf, dass die Leiter in das obere Stockwerk verschwunden ist.) SCULLY: Mulder? (SCULLY dreht sich zu MULDER um, der sich vom Boden erhoben hat und die Taschenlampe unter sein Gesicht hält, in der klassischen "Erschrecke deine kleine Schwetser"-Pose. Es klappt. SCULLY dreht sich um und schreit, und er schreit zurück.) SCULLY: (wütend, aber noch immer blass) Das ist nicht witzig! MULDER: (kichernd) Ich glaube, da ist ein kleines Versteck unter den Flurbrettern. SCULLY: Was tun Sie da? MULDER: Es könnte ja einer darunter gefangen sein... SCULLY: Mulder, nein. MULDER: Ich muss sie da raus holen. SCULLY: Nicht jetzt. MULDER: Hey, Sie haben eine Pistole, richtig? Sie waren in viel gefährlicheren Situationen als dieser. (MULDER beginnt, die Flurbretter wegzureißen. Enthüllt einen ziemlich toten Mann.) MULDER: Ich lag zur Hälfte richtig. SCULLY: Oh, mein Gott. (MULDER reißt weiter Bretter weg, enthüllt einen zweiten Körper.) MULDER: Hey, Scully...Sehen Sie sich das an!. SCULLY: Es ist eine Frau.. (SCULLY richtet den Strahl ihrer Taschenlampe auf die zwei ziemlich verwesten Leichen. Die Frau scheint eine Schusswunde in der Magengegend zu haben, der Mann hat eine Wunde in seiner Brust.) SCULLY: Mulder, es sieht so aus, als ob sie erschossen worden sind. MULDER: Yeah. SCULLY: Wissen Sie, was mich verwirrt? MULDER: Was? SCULLY: Mulder, sie trägt mein Outfit. (SCULLY und die weibliche Leiche tragen beide eine weiße Bluse und eine schwarze Jacke.) MULDER: Wie verwirrend. SCULLY: Ja... - und wissen Sie was? Er trägt Ihres. (MULDER sieht nach, was er trägt - weißes T-Shirt und eine Lederjacke.) MULDER: Oh... Scully... SCULLY: Das sind wir. (Sie rennen aus dem Raum heraus und zurück in die Bibliothek. Großartige Lichtstrahlen-Sequenz, strahlen in gegenseitige Richtungen, dann übereinander.) MULDER: (verwirrt) Hey, Scully... SCULLY: Das ist der gleiche Raum (Sie versuchen es erneut, landen aber wieder in der Bibliothek. Sie sehen noch immer die toten Körper.) MULDER: Na schön, ich beginne, das hier zu... verstehen. SCULLY: Gehen Sie durch die Tür, und ich... MULDER: Ich sollte durch... diese Tür rauskommen. SCULLY: Richtig. (MULDER durchquert das gegenüberliegende Ende des Raumes und betritt erneut die Bibliothek. SCULLY wartet darauf, dass er durch die Tür direkt neben ihr kommt, aber er tut es nicht. Sie sind getrennt.) SCULLY: Mulder! MULDER: Scully! (Die Türen zwischen ihnen schlagen zu. MULDER geht zu der Tür, die sich gerade eben geschlossen hatte. Er geht durch sie hindurch - wieder in die Bibliothek. Der Raum ist leer.) MULDER: Scully! <2. SZENE> (Die selbe Szene wird fortgesetzt. MULDER schlägt gegen die Tür, die die Verbindung zwischen ihm und SCULLY unterbrochen hat.) MULDER: Hey, Scully. Scully, können Sie mich hören? (MULDER Schießt das Schloss aus der Tür, öffnet sie endlich, um herauszufinden, dass der Weg dahinter durch eine hohe Ziegelmauer abgesperrt ist. Er dreht sich um und sieht MAURICE, einen älteren Mann, der einen Hut trägt und mitten im Raum steht.) MULDER: Hey! Wer sind Sie? MAURICE: Das ist eine Frage, die ich hätte stellen sollen, denn das ist mein Haus, in dem Sie sich da befinden. Das hier ist doch nicht eine dieser Hausinvasionen, oder? MULDER: (verdattert) Nein. MAURICE: Gut. Wollen Sie, dass ich Sie zur Tür begleite? MULDER: Das ist wirklich sehr komisch. MAURICE: Ich habe keinen Witz gemacht. MULDER: Haben Sie die Tür verschlossen? MAURICE: Uh-huh, Ich sehe sie mir gerade an. MULDER: Sagen Sie mir, was Sie sehen. MAURICE: Ich sehe eine Tür, aus der man das Schloss herausgeschossen hat. Sie werden das bezahlen? MULDER: Das ist eine Tür mit einer Mauer dahinter. MAURICE: (ungläubig) Okay, sicher. MULDER: Sie spielen mir Streiche. Tricks! MAURICE: Wenn ich das tue, tut es mir leid, aber ich kenne keine Tricks. MULDER: Ach ja? Das Ganze ist ein Trick für sich, was? Sie haben uns die ganze Zeit Streiche gespielt, seit wir hier sind! MAURICE: Soll ich das so verstehen, dass Sie nicht alleine sind? (MULDER kichert.) MULDER: Ah, sehr lustig, das von einem Geist zu hören! MAURICE: (lacht herzlich) Yeah, oh... die Pistole verwirrte mich gleich. Sie sind ein Geisterjäger, was? Und Sie denken, dass ich ein Geist bin, was? Ich habe schon 'ne Menge komischer Vögel hier herumlaufen sehen, mit haufenweise verrückter Ausrüstung, aber ich denke, Sie sind der Erste, den ich bewaffnet antreffe. MULDER: Komische Vögel? MAURICE: Mm-hmm. MULDER: Wie diese Leute unter den Flurbrettern? (MULDER dreht sich um und richtet das Licht seiner Taschenlampe auf den Flur, aber die Leichen sind weg, der Boden unberührt.) MULDER: (ungläubig) Wie haben Sie das gemacht? MAURICE: Ich habe gar nichts gemacht. MULDER: Das waren Leichen... Leichen, begraben unter den Flurbrettern. MAURICE: Warum machen Sie es sich denn nicht bequem, Junge? (Etwas später. MULDER sitzt, mit seinem Gesicht in den Händen vergraben.) MAURICE: Drinken Sie? Nehmen Sie Drogen? MULDER: Nein. MAURICE: Sind Sie high? MULDER: Nein. MAURICE: Überkommt Sie manchmal der Impuls, jeden dazu zu bringen, Ihnen zu glauben? (MULDER schaut überrascht auf.) MAURICE: Ich arbeite im Bereich der geistigen Gesundheit und Hilfe. Ich bin spezialisiert auf Unruhen und Manien, die mit pathologischen Verhaltensmustern in Verbindung stehen oder sich auf das Paranormale beziehen. MULDER: Wow. Ich habe nicht gewusst, dass es so etwas gibt.. MAURICE: Meine Spezialität ist etwas, was ich selbst "Seelen- Reflektion" nenne - eine achsenkreuzende Klassifikation von Besuchern wie Ihnen, die ich mit extensiver Interaktion chiffriere. Ich habe herausgefunden, dass ihr alle dazu tendiert, in die so ziemlich gleiche Kategorie zu fallen. MULDER: Und welche Kategorie ist das? MAURICE: Narzisstisch, übereifrig, selbstgerecht, wahnsinnig egoistisch. MULDER: Das ist eine Kategorie? MAURICE: Sie halten sich selbst freundlicherweise für einen Menschen, der so ziemlich alleine da steht, mit seiner Meinung, aber Sie neigen dazu, ein obsessiver, zwanghafter Workaholic zu sein, sind nicht besonders sozial... Fruchtbares Feld für die für den totalen Untergang, den endgültigen Zusammenbruch. MULDER: Ich denke nicht, dass das wirklich auf mich zutrifft. MAURICE: Oh, wirklich? Mit einer Pistole fuchteln Sie hier in meinem Haus herum! Häh? Wild wie ein Irrer brabbeln Sie von einer imaginären Ziegelwand! (MULDER sieht hinüber zu... der Ziegelwand in der Tür) MAURICE: Sie haben sich wahrscheinlich davon überzeugt, dass Sie Aliens gesehen haben. Wissen Sie, warum Sie denken, dass Sie die Dinge gesehen haben, die Sie sich einbilden? MULDER: Weil ich sie gesehen habe? MAURICE: Weil Sie ein einsamer Mann sind. Ein einsamer Mann, der überweltlichen Illusionen hinterherjagt, von denen Sie glauben, dass sie Ihrem Leben eine Bedeutung geben werden. Und Ihre ergreifende und soziale Unausgeglichenheit, die es Ihnen unmöglich macht, irgendwohin zu finden... Sie halten sich selbst wahrscheinlich für leidenschaftlich, ernsthaft und missverstanden, habe ich Recht? MULDER: "Überweltliche Illusionen"? MAURICE: Die meisten Menschen würden ihre Finger lieber in einen Mauersockel stecken, anstatt auch nur eine Minute mit Ihnen zu verbringen. MULDER: Jetzt aber erst mal, uh... Mal langsam, ja? MAURICE: Verbringen Sie jeden Weihnachtsabend so wie diesen? ... Allein? MULDER: (selbstbewusst) Ich bin nicht allein. MAURICE: Noch mehr Selbst-Irrglaube. MULDER: Nein, ich bin mit meiner Partnerin hierhergekommen. Sie ist hier irgendwo im Haus. MAURICE: Hinter der Ziegelmauer? (MULDER lächelt und nickt.) MAURICE: Wie haben Sie sie dazu gebracht, mit Ihnen hierher zu kommen? Haben Sie ihr die Autoschlüssel geklaut? (MULDER vergeht das Lächeln.) MAURICE: Sie wissen, warum Sie das getan haben - ihrem ewigen rationellen, vernünftigen Heruntergeleier zuzuhören? Weil Sie Angst haben. Angst vor der Einsamkeit. Habe ich Recht? MULDER: Ich möchte einfach nur meine Partnerin finden. MAURICE: Gut... Einfach. Kinderspiel. (MAURICE steht auf und geht durch die (freie) Tür. Er dreht sich um, um MULDER anzusehen.) MAURICE: Ziegelmauer. (deutet auf die Tür)... Oder Ziegelwand? (tippt an seinen Kopf) Gehen Sie los, verändern Sie Ihr Leben. (MULDER steht auf und will den nun freien Durchgang durchqueren. Er rennt gegen eine unsichtbare Mauer, die uns gleich wieder als Ziegelmauer erscheint. MAURICE ist jetzt außer Sicht. MULDER dreht sich um, um die nun dunkle Bibliothek zu betrachten, die nun schnell in SCULLYS Version der Bibliothek wechselt.) SCULLY: Mulder? (SCULLY weicht von der verschlossenen Tür zurück, dreht sich dann um und schreit erschrocken, als sie LYDIA sieht, eine ältere Frau, gekleidet in eine lange, weiße Robe. LYDIA schreit ebenfalls. SCULLY versucht hastig, ihre Waffe aus dem Holster zu ziehen, zittert aber so heftig, dass sie sie nicht halten kann.) LYDA: Nein, nein, bitte! Ich werde Ihnen nichts tun. SCULLY: Ich bin Bundesagentin! Ich bin bewaffnet! LYDA: (macht das Licht an) Sie sind was? SCULLY: (hat endlich ihre Waffe zu fassen bekommen) Ich bin bewaffnet! LYDA: Das sagten Sie bereits. SCULLY: (wedelt mit der Pistole herum) Ich bin bewaffnet. LYDA: Sie sind Bundesagentin? SCULLY: Entschuldigen Sie, ich bin ein wenig verwirrt. Kommen Sie nicht näher. Mein Name ist Special Agent Dana Scully. Und ich, ähm, ich kann Ihnen meine ID zeigen. LYDA: Grundgütiger! Ich... ich dachte, Sie wären ein Geist! SCULLY: Ich kann Ihnen versichern, dass ich keiner bin. Ich... ich wurde in diesem Raum eingesperrt. Ich suche meinen Partner. LYDA: Oh, nach dem schlacksigen Burschen mit dem hervorragenden Profil? SCULLY: Sie haben ihn gesehen? LYDA: Mit Ihnen im Foyer. Ich dachte, dass er auch ein Geist wäre. SCULLY: Oh... Das waren Sie. LYDA: Ich schlafwandle manchmal. Vielleicht dachte ich, dass ich das alles nur geträumt habe. Aber dann waren Sie wieder hier. SCULLY: (bekommt ihre Fassung wieder) Es tut mir leid... Es tut mir wirklich leid. Ich wollte Sie nicht erschrecken. Ich, ähm... es ist nur, dass wir Leichen gefunden haben. LYDA: Leichen... Wo? SCULLY: Rechts... (Der Boden ist unberührt.) LYDA: Sie sehen so aus, als ob Sie einen Geist gesehen hätten. Es gibt Geister in diesem Haus, wissen Sie. SCULLY: (hebt erneut ihre Waffe an) Wer sind Sie? LYDA: Ich lebe hier, danke schön. SCULLY: Wo ist mein Partner? LYDA: Warum bedrohen Sie mich mit Ihrer Waffe? SCULLY: Da waren Leichen gleich unter dem Dielenbrettern dort! (LYDA kichert.) LYDA: Ich glaube, die Geister haben Ihnen einen kleinen Streich gespielt. SCULLY: Ich glaube nicht an Geister. LYDA: Was tun Sie dann hier? SCULLY: Es ist mein Partner... LYDA: Er glaubt an Geister? SCULLY: Ja. LYDA: Oh, Sie armes Kind. Sie müssen ein schreckliches Leben führen. Verbringen den Weihnachtsabend mit ihm... Sie rennen hier herum und jagen Dinge, an die Sie nicht glauben. SCULLY: Kommen Sie nicht näher! LYDA: (kommt näher) Ich kann sie in Ihrem Gesicht sehen... Die Angst... Ihre Wünsche, die miteinander im Konflikt sind... Ein unbewusstes Verlangen Erfüllung voneinander zu finden. Vertrauen durch gegenseitige Abhängigkeit voneinander. SCULLY: Was? LYDA: Vielleicht verbergen Sie die Wahrheit über den Grund, warum Sie wirklich hier sind, vor sich. Warum Sie so tun, als ob das Ihre Pflicht wäre, oder ein Handeln aus Ihrer Loyalität heraus - unfähig dazu, Ihnen Ihr eigenes kleines, dreckiges Geheimnis einzugestehen. Ihre einzige Freude am Leben ist es, ihm zu beweisen, dass er unrecht hat. SCULLY: Sie kennen mich nicht! Und Sie leben nicht hier! Das ist nicht Ihr Haus! LYDA: Sie würden nicht so denken, so, wie ich behandelt werde. SCULLY: Okay, warum sind dann alle Möbel zugedeckt? LYDA: Wir haben das Haus streichen lassen. SCULLY: Gut, aber wo ist Ihr Weihnachtsbaum? LYDA: Wir sind Juden. Oh... (SCULLY dreht sich um, als MAURICE den Raum betritt.) SCULLY: Belieben Sie, wo Sie sind! Zwingen Sie mich nicht dazu, auf Sie zu schießen! Bleiben Sie, wo Sie sind! MAURICE: Wir ziehen sie regelrecht an, was? SCULLY: Wo ist Mulder? MAURICE: Mulder? Ist das sein Name? SCULLY: Wo ist er? MAURICE: Er wird schon kommen... SCULLY: Gehen Sie da rüber! (Die Beiden starren sie nur an.) SCULLY: (versucht, autoritär zu klingen) Sie beide, los! Gehen Sie da rüber! Gehen Sie da rüber! Los! MAURICE: Das verletzt unsere Zivilrechte! Ich habe Freunde bei der ACLU. SCULLY: Nehmen Sie die Hände hoch! (Sie tun es. LYDA hat eine Schusswunde durch ihre Magengegend. SCULLY starrt sie an, dann geht sie zu MAURICE hinüber und nimmt ihm den Hut ab. Eine Loch einer Schusswunde geht durch seinen Kopf. Die Kamera schwenkt, um zu zeigen, wie sie durch das Loch starrt, dann verliert SCULLY das Bewusstsein. LYDA und MAURICE nehmen ihre Hände runter.) MAURICE: Siehst du, was unsere Zuflucht ist? Gimmicks und billige Tricks. Wir waren doch immer viel zu gut dafür... LYDA: Wir hatten normalerweise auch jahrelang Zeit, um sie verrückt zu machen. Nun haben wir nur diese Nacht. MAURICE: Diese neue Psychologie ist nicht gut. Sie verärgert sie... Wie lang liegt es zurück, dass wir wirklich jemanden gejagt haben? LYDA: Wie lange liegt es zurück, dass wir einen guten Doppelmord hatten? Nicht seitdem das Haus beschlagnahmt wurde. MAURICE: Das ist verwirrend - Billiges Kinderzeugs. LYDA: Nun komm, wenn wir unseren Ruf vergessen, werden sie uns aus der Touristen-Literatur nehmen. Letztes Jahr allein hatte sich kein einziger hier blicken lassen. MAURICE: Oh, warum hast du ausgerechnet Weihnachten gewählt? Warum nicht Halloween? LYDA: (greift ihm beim Revers seiner Jacke) Wer fühlt sich denn schon hoffnungslos unnütz an Halloween? Weihnachten ist nur einmal im Jahr! MAURICE: Du hast Recht. Diesen beiden scheint es wirklich miserabel zu gehen. Wir müssen ihnen zeigen, wie einsam Weihnachten sein kann. LYDA: Nun, das ist er, der Geist der Weihnacht. (Sie küssen sich und beginnen zu lachen.) <3. SZENE> (MULDERS Version der Bibliothek. Er hat die Taschenlampe zwischen die Zähne geklemmt. MULDER versucht nach wie vor, in das darüberliegende Stockwerk zu gelangen. LYDA beobachtete ihn vom unteren Stockwerk aus. Kurz bevor MULDER es schafft, betritt sie das obere Stockwerk.) LYDA: Sind Sie Agent Mulder? MULDER: Wer sind Sie denn jetzt? LYDA: Was tun Sie da? Sie benutzen meinen Stuhl als Leiter? MULDER: Ich versuche, aus diesem Raum herauszukommen. LYDA: Versuchen, herauszukommen? MULDER: Entschuldigen Sie mich. LYDA: Nein, nein, Sie können ruhig diesen Weg nehmen. (MULDER zögert, dann piekst er ihr in die Schulter. Sie ist fest. Er stößt sie gegen die Wand.) LYDIA: Rüpel! MULDER: Alte Schachtel! (MULDER öffnet die Tür und wird mit einer weiteren Ziegelmauer konfrontiert.) LYDA: Ich weiß nicht, wen Sie hier eine alte Schachtel nennen, aber mir gefällt das nicht - herumgeschupst oder beleidigt zu werden. Sicherlich nicht zu dieser Stunde. MULDER: Sie sind ein Geist. LYDA: Oh, noch eine Beleidigung. (Sie steigen die urplötzlich wieder erschienene Leiter zu den Stühlen im unteren Geschoß hinab.) MULDER: Was ist mit dem Liebespaar passiert? LYDA: Oh, ich bin die letzte, die Ihnen eine Romanze erzählen würde! MULDER: (versteht) Sie sind das! Sie sind Lyda, und dieser Mann war Maurice. Aber... Sie sind gealtert. LYDA: Ich hoffe, Ihre Partnerin findet Sie etwas charmanter als ich. (öffnet den Bücherschrank) Lassen Sie mich sehen... Wo ist es nur? (LYDA murmelt, als - wie von selbst - Bücher aus dem Bücherschrank kommen. MULDER ist fasziniert.) LYDA: Nein, nein, nein, nein... (murmelt weiter) da ist es! (wählt ein Buch mit dem Titel The Ghosts Who Stole Christmas) Ich war mal jung und schön, so wie Ihre Partnerin. Whoo! Sehen Sie sich uns an. Maurice war so gutaussehend. (Feuer geht an) Aber er hatte keinen Mumm. (Sie gibt MULDER das Buch, in dem ein Bild mit einem attraktiven Pärchen abgebildet ist. Name des Kapitels: Tale of the Star Crossed Lovers - die Geschichte eines Liebespaares.) LYDA: Ich hoffe, dass Sie sich keine allzu großen Vorteile von All dem erhoffen. MULDER: Zu was denn? LYDA: Ich nehme an, dass Sie mit den gleichen falschen Auffassungen hierher gekommen sind. MULDER: Wir kamen hierher, weil wir Sie gesucht haben. LYDA: Oh, ja? Sie sind nicht hierher gekommen, um für alle Ewigkeit zusammen zu sein? MULDER: (kichert) Nein. LYDA: Weil Sie erfüllt von verzweifelter und jämmerlicher Weihnachtsmelancolie befallen sind? MULDER: Warum? LYDA: (seufzend) Vielleicht war es dann Ihre Partnerin. MULDER: (verschränkt die Arme vor der Brust) Was ist mit ihr? LYDA: Sie wissen, dass dieses Haus heimgesucht wurde. MULDER: Ja. LYDA: Vielleicht hätten Sie beide Ihre wahren Gefühle füreinander ausdiskutieren sollen, bevor Sie dieses Haus betraten. Ich spreche aus Erfahrung. MULDER: Welcher Erfahrung? LYDA: Ich möchte Sie nicht mit Semanik konfrontieren. Ein Mord-Erfolg geht über das Vertrauen hinaus. MULDER: Ich dachte, dass es ein Liebes-Vertrag gewesen wäre. LYDA: (lacht) Vergessen wir die poetischen Illusionen, Mulder, was dabei herauskommt ist so ziemlich dasselbe. (LYDA steht auf und öffnet ihre Robe, um die Schusswunde zu zeigen.) MULDER: (schockiert) Oh...! LYDA: Ich zeige mein Loch nicht jedem. MULDER: (angewidert) Warum zeigen Sie's dann mir? LYDA: Es ist nicht so, dass Sie Weihnachtsbraten essen werden. MULDER: Oh, Sie versuchen mir zu sagen, dass Scully mich erschießen wird. Scully wird mich nicht erschießen. LYDA: Das passt zu Ihnen. Aber wenn Sie zuerst schießen, wird der Rest bloß noch eine Handlung des Schicksals und des Glaubens sein. MULDER: Ich würde sie nie erschießen. LYDA: Vielleicht erschießt sie sich selbst. MULDER: (selbstbewusst) Ich würde das nicht zulassen. LYDA: Die Leichen unter den Dielenbrettern... vielleicht waren sie bloß ein Symbol. Oder vielleicht... ist da ein geheimer Liebes-Vertrag. MULDER: (seufzt mit einem kleinen Lächeln) Wir sind kein Paar. LYDA: Und das ist nicht pure Wissenschaft. Aber Sie sind beide sehr attraktiv und Sie werden genug Zeit haben, das zu ändern. (hält ihm eine Pistole hin) Gehen Sie, tun Sie's. (MULDER überprüft schnell sein Holster und bemerkt, dass seine Pistole fehlt.) LYDA: Nehmen Sie sie. Bezeichnen Sie es als das letzte Weihnachten, dass Sie alleine verbringen werden.) (LYDA verschwinden, lässt dabei die Pistole in die Hand des überraschten MULDER fallen.) (CUT zu SCULLYS Version der Bibliothek. SCULLY wacht aus ihrer Ohnmacht auf und schaut sich um, die Pistole und die Taschenlampe in den Händen haltend. Versucht sich an einer verschlossenen Tür.) MAURICE: (in einem der Stühle sitzend) Ich habe sie verschlossen. Zu Ihrem Schutz. (SCULLY fährt herum und starrt ihn an.) SCULLY: Bleiben Sie von mir weg! Hören Sie, ich will, dass Sie mich hier raus lassen! Ich bin wirklich dazu fähig, den Abzug zu betätigen! MAURICE: Ich bin froh, das zu hören. Sie werden sich vielleicht gegen Ihrem verrückten Partner wehren müssen. SCULLY: Was haben Sie mit ihm gemacht?! MAURICE: Ihn von seinen eigenen verrückten Plänen abgehalten - jedenfalls bis jetzt. Haben Sie eine Idee, warum er Sie in dieses Haus gebracht hat? SCULLY: Hören Sie, alles was ich weiß ist, dass ich einen schlechten Traum habe! Das passiert alles bloß in meinem Kopf! MAURICE: Und jetzt sind Sie hier und richten eine Pistole auf mich, wie Ihr Partner. (Es klopft an der Tür.) MULDER: (vor der Tür) Hey, Scully! MAURICE: Haben Sie schon einmal bemerkt, wie ernsthaft und verstört dieser Mann ist? Wie dunkel und einsam? Zu was ist er fähig? MULDER: (vor der Tür) Scully?! SCULLY: Mulder! (SCULLY will zur Tür renne, doch MAURICE hält sie auf.) MAURICE: Wollen Sie Ihre Schlüssel zurückhaben? (MAURICE lässt die Autoschlüssel vor ihr klimpern. Sie starrt sie an.) SCULLY: Wo haben Sie die her? MAURICE: Er hat niemanden, zu dem er dieses Weihnachten gehen könnte. Niemanden, mit dem er zusammen sein könnte... Hat er Ihnen gegenüber zufällig die Geschichte des Liebes-Vertrag erwähnt? SCULLY: Wo haben Sie diese Schlüssel her? MAURICE: Dieser Mann handelt aus einem unbewussten Verlangen heraus. Dem tiefgesäten Terror des Alleinseins... (Wieder Klopfen an der Tür.) MULDER: (vor der Tür) Scully... Scully, sind Sie da drin?! SCULLY: Ich bin hier, Mulder! MULDER: (vor der Tür) Öffnen Sie die Tür, Scully! SCULLY: (nimmt die Schlüssel, zu MAURICE) Öffnen Sie die Tür. (MAURICE geht zur Tür.) MAURICE: Ich habe das hier schon so oft in diesem Haus geschehen sehen... SCULLY: Ich glaube Ihnen nicht. Öffnen Sie einfach nur die Tür! MAURICE: Aber... SCULLY: Öffnen Sie die Tür! (MAURICE öffnet die Tür und MULDER betritt den Raum, die Waffe im Anschlag.) MULDER: Wo ist Scully? SCULLY: Mulder? (MULDER dreht sich um, um sie anzusehen, und feuert...) <4. SZENE> (Die Szene wird fortgeführt. MULDER hält seine Pistole noch immer auf SCULLY gerichtet. Sie hebt ihre Waffe, feuert aber nicht. Er feuert, zerschießt einen Spiegel hinter ihr.) SCULLY: Mulder, was tun Sie da? (er feuert wieder) Mulder! MULDER: Kein Weg führt hier heraus, Scully. Kein Weg zurück nach Haus. (feuert) SCULLY: Mulder, kommen Sie.... Mulder, kommen Sie nicht näher! Sie machen mir Angst. Nehmen Sie die Waffe runter! MULDER: Sie wollen mich erschießen?! SCULLY: Ich werde Sie nicht erschießen! Ich will Sie nicht erschießen! MULDER: (manisch) Sie oder ich... Ich oder Sie. Einer von uns muss es tun. SCULLY: Mulder, kommen Sie... Wir müssen das nicht tun. MULDER: Oh doch, wir müssen. SCULLY: Wir können hier raus! MULDER: Selbst wenn wir könnten, was wartet da draußen auf uns? Noch mehr Einsamkeit! Und dann wieder 365 weitere Tage bis nur nächsten, noch sehr viel größeren Einsamkeit! SCULLY: Ich glaube nicht, was Sie da sagen, Mulder. Ich glaube nicht ein einziges Wort! (MULDER richtet die Waffe auf sie und schießt. SCULLY lässt ihre Pistole fallen und starrt schockiert auf die Schusswunde in ihrem Magen. Sie schaut wieder zu MULDER hinauf, der sich auf die Unterlippe beißt, so als ob er selbst ihren Schmerz fühlen könnte, aber dennoch hat er auch weiterhin einen wilden Glanz in seinen Augen. Langsam fällt sie auf den Boden, starrt ihn noch immer an.) MULDER: Fröhliche Weihnachten, Scully. (MULDER hält die Mündung seiner Waffe an seine Stirn. Die Kamera wechselt, so dass wir sehen können, dass es sich nicht um MULDER, sondern um LYDIA handelt.) LYDA: Und ein fröhliches neues Jahr. (MAURICE läuft herbei und hält MULDER/LYDA davon ab, abzudrücken.) MULDER/LYDA: Lass mich gehen! (Kamera wechselt. Wir sehen wieder, dass es sich um LYDIA handelt. SCULLY sieht noch immer MULDER.) LYDA: Lass mich los! SCULLY: Mulder! LYDA: Lass mich los! Lass mich los! MULDER/LYDA: Lass mich los! MULDER: Scully! (CUT zu MULDER, der eine andere Version der Bibliothek betritt. SCULLY liegt blutend auf dem Boden. Er rennt zu ihr und kniet sich neben sie.) MULDER: Scully? SCULLY: (schwach) Mulder... Sind Sie das? MULDER: (fassungslos)Was haben Sie getan!? SCULLY: Ich habe es nicht geglaubt, Mulder. MULDER: Was haben Sie nicht geglaubt? SCULLY: Ich hätte nicht geglaubt, dass Sie das tun würden. Dass ich es tun würde... (MULDER blickt hinab und sieht, dass sie ihre Pistole an seine Brust gehoben hat.) SCULLY: Frohe Weihnachten, Mulder MULDER: (bewegt sich nicht) Was tun Sie da? (Sie feuert. MULDER fällt zurück, seine Brust blutet. Er ist schockiert.) (LYDA, die genau dort liegt, wo MULDER gerade eben SCULLY wahrgenommen hatte, kichert vergnügt. Ein altes Gramophon beginnt "Have Yourself a Merry Little Christmas" zu spielen. ) (SCULLY rollt sich erschöpft herum und zieht sich über den Boden, der Tür entgegen.) MUSIK: Have yourself a merry little Christmas Let yourself be light From now on, your troubles will be out of sight (MULDER stolpert die Treppe hinab, schwer blutend.) Have yourself a merry little Christmas Make the Yuletide gay From now on, our troubles will be miles away Here we are, as in olden days (MULDER erreicht das Foyer und fällt zu Boden. Blut umgibt ihn. Er entdeckt Scully, nur wenige Schritte entfernt. Sie kriecht ebenfalls über den Boden.) MULDER: Scully? Happy golden days of yore Faithful friends who are dear to us Gather near to us... MULDER: (keuchend) Scully... Through the years, we all will be together... (SCULLY rollt mit schmerzverzerrten Gesicht auf den Rücken und richtet ihre Waffe auf MULDER. MULDER richtet seine Waffe auf sie.) Until then, we'll have... SCULLY: (flüstert, als sie die Waffe sinken lässt und auf den Boden zurückfällt) Ah... Ich kann das nicht... MULDER: (hält weiterhin seine Waffe auf sie gerichtet) Nein, dass können Sie auch nicht. Nicht ohne mich. SCULLY: Haben Sie Angst, Mulder? (keuchend) Ich habe sie... MULDER: Ich auch... (Sie lassen beide ihre Waffen fallen.) Faithful friends who are dear to us Gather near to us... MULDER: Sie hätten sich das denken sollen... SCULLY: Sie auch. MULDER: (anklagend) Sie haben zuerst auf mich geschossen! SCULLY: (ebenfalls anklagend) Ich habe nicht auf Sie geschossen! Sie haben auf mich geschossen! If the fates allow Until then we'll have to muddle through somehow... (Endlich verstehend steht MULDER auf.) MULDER: Scully... SCULLY: Was? (SCULLY hustet.) MULDER: Stehen Sie auf! SCULLY: Ich kann nicht... MULDER: Stehen Sie auf! Sie sind nicht angeschossen! (MULDER hebt sein blutiges Shirt von seinem Bauch weg.) SCULLY: Was? MULDER: Kommen Sie! Es ist ein Trick! Das passiert bloß alles in Ihrem Kopf! (Er hilft SCULLY auf die Füße und hebt ihre blutiges Shirt an. Sie schaut hinab - keine Wunde. Dann rennen sie beide los und stürmen durch die inzwischen wieder unverschlossenen Haustür. Kaum draußen, starren sie auf ihre neuen sauberen Shirts hinab, rennen dann zu ihren Autos und fahren hastig davon.) Faithful friends who are dear to us Gather near to us once more Through the years, we all will be together If the fates allow Hang a shining star upon the highest bough And have yourself a merry... little Christmas now. (Im Haus leitet die Uhr die zwölfte Stunde ein. MAURICE und LYDA sitzen in der Bibliothek.) LYDA: Hast du das gehört? Es ist Weihnachten. MAURICE: Eines für unsere Bücher. LYDA: Wir hatten die Beiden fast, nicht wahr? MAURICE: (kichernd) Ja, fast. LYDA: Zwei so einsame Seelen... MAURICE: Wir können uns nicht dafür verantworten, dass es nicht geklappt hat. LYDA: Du fragst dich wohl, wonach die Beiden da draußen wirklich suchen, hm? MAURICE: Schwer zu sagen... Das ist bloß wieder ein anderer freudloser Tag im Jahr. LYDA: Nicht für uns. MAURICE: Nein. Wir haben die Bedeutung von Weihnachten nicht vergessen. (Sie halten Händchen und lösen sich in Luft auf, als die Uhr zwölf schlägt.) <5. SZENE> (MULDERS Apartment. Später an diesem Morgen, aber immer noch herrscht draußen Dunkelheit. MULDER, der noch immer seine Jacke trägt, sitzt auf seiner Couch und sieht sich die Scharz/Weiß-Version der Weihnachtsgeschichte an. Er sieht sehr deprimiert aus.) TV SCROOGE: (lachend) Ich verdiene es nicht, so glücklich zu sein. Ich kann nichts dagegen tun. Ich kann einfach nichts dagegen tun... TV ERZÄHLER: Scrooge war besser, als man es geglaubt hatte. (Klopfen) Er wurde ein guter Freund, ein guter Arbeitgeber und ein guter Mann, der beste Mann, der jemals in dieser kleinen guten Stadt gelebt hatte, einer kleinen Stadt, über der es unter Garantie keine bessere gab, in der guten alten Welt. Und zu dem kleinen Tim... (Wieder Klopfen. MULDER blickt auf, bemerkt, dass das Geräsuch von seiner Tür kam. Er sieht sich kurz um, schaltet dann den Fernseher aus und öffnet die Tür. Es ist SCULLY, die - ebenfalls wie er - noch die gleichen Klamotten trägt.) SCULLY: Ich, ähm... Ich konnte nicht schlafen. Ich war, ähm... (seufzt) Kann ich reinkommen? (MULDER legt seinen Arm um ihre Schultern, zieht sie in seine Wohnung und schließt die Tür. Sie sind beide ziemlich ausgelaugt.) MULDER: Kommen Sie rein... - Wollten Sie nicht mit Ihrer Familie über die Weihnachtsgeschenke herfallen? SCULLY: Mulder... Nichts von alledem hat heute Nacht wirklich statt gefunden... Das passierte bloß alles in unseren Köpfen, richtig? MULDER: (unsicher, was er sagen soll) Ich -es war wohl so. SCULLY: Mmm. Nicht, dass meine einzige Freude am Leben diejenige ist, Ihnen zu beweisen, dass Sie unrecht haben. MULDER: Wann haben Sie mir denn mal bewiesen, dass ich unrecht hatte? SCULLY: Nun... Warum sonst würden Sie mich denn da draußen bei sich haben wollen? MULDER: Wollen Sie denn nicht dort draußen sein? (SCULLY hat darauf keine Antwort parat. Sie beide denken einen Moment darüber nach.) MULDER: (selbstanalysierend) Oh, das, ähm... Das ist selbstgerecht und... narzisstisch von mir, wenn ich das sage, was? SCULLY: Nein, ich meine... Vielleicht möchte ich mit Ihnen da draußen sein. (Sie schauen einander für einen Moment lang an.) MULDER: Nun, ähm... Ich weiß, dass wir abgemacht hatten, uns nichts zu schenken, aber... ähm... ich habe trotzdem... eine Kleinigkeit für Sie. (Mit einem schüchternen Lächeln hält er ihr ein röhrenförmiges, verpacktes Geschenk hin.) SCULLY: Mulder... MULDER: (mit warmer Stimme) Fröhliche Weihnachten. SCULLY: Nun, ich habe Ihnen auch eine Kleinigkeit mitgebracht... (Sie hält ihm ein Päckchen hin - könnte ein Buch oder eine Videokassette sein. Er kichert, als sie die Geschenke austauschen. Er schüttelt seines, und sie grinst fröhlich. Dann rennen sie wie kleine Kinder hinüber zur Couch und beginnen, ihre Geschenke zu öffnen. Die Kamera schwenkt nach draußen, wo sanft der Schnee zu Boden fällt.) BING CROSBY: Have yourself a merry little Christmas now. - Ende - * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * Übersetzer: KIT-X < fampi@t-online.de > Überarbeitung: spooky17 < spooky17@gmx.de > Die deutschen Folgen-Transcripts (und natuerlich viel mehr) findet ihr hier: http://akte-x.here.de