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Review zu 9ABX01Nothing Important Happened Today
& 9ABX02 Nothing Important Happened Today II
APARTMENT ZU VERMIETEN
2630 Hegal Place #42
Alexandria, VA 23242
Geräumiges, sauberes Apartment mit 2 Zimmern +KDB. Wegen Bohrloch in der Decke des Wohnzimmers und nicht zu entfernenden Klebestreifen-Überresten an den Fenstern extrem billig abzugeben.
Tja... jetzt steht es also leer, das berühmte, beliebte Apartment von unserem großen Helden Fox Mulder. Einen letzten Abschied mit der Wohnung hat man uns glücklicherweise noch gewährt, bevor dieses Set nun endgültig aus den Drehbüchern der X Files verschwindet...
Überhaupt kann man feststellen, daß sich die Sets im letzten Jahr ziemlich verschoben haben und nun Hauptaugenmerke auf dem FBI-Gebäude liegen und natürlich auf Scullys Wohnung. Die Sets und Hintergründe beeinflussen natürlich auch stark die Stimmung. Der letzte krasse Stimmungs-Umschwenkpunkt war der Umzug von Vancouver nach L.A., von wo ab es plötzlich viel weniger Regen und wesentlich mehr Wüste gab. Diesmal ist diese Wandlung nicht ganz so plötzlich, es hat sich schon während Staffel 8 vieles gewandelt, aber dennoch werden die Locations und die Sets nicht das letzte sein, daß sich bei den X Files weiterentwickelt und die Stimmung beeinflussen wird.
Glücklicherweise sind diese Entwicklungen aber insgesamt sehr gut gelungen und besonders die Stimmung in der sich Agent John Doggett nun befindet ist einfach genial gemacht. Doggett ist kein Mulder-Ersatz, so habe ich ihn nie gesehen, aber irgendwie IST er nun Mulder. Er ist jetzt genau an dem Punkt, an dem Mulder schon so viele male vorher war.
In Existence haben wir gesehen wie sich die Replicants Knowle Rohrer und Agent Crane im FBI Gebäude getroffen haben... im Büro von Deputy Director Kersh. Als korrekter Agent will Doggett diesen Vorfall natürlich untersuchen und leitet somit die Ermittlungen gegen Kersh ein. Leider stellt sich dieses Unterfangen als weitaus schwerer heraus, als Doggett es zu träumen gewagt hätte: Die Videobänder mit den Ereignissen in der FBI-Garage werden ausgetauscht. Skinner will Doggett lieber nicht helfen aus Angst um Scully, ihr Baby und um Mulder. Scully selbst bittet Doggett zu gehen und niemals wieder zu kommen. Eine Figur aus Reyes Vergangenheit macht ihm zusätzlich das Leben schwer und zu allem Überfluss wird er fast suspendiert.
Lediglich seine neue Partnerin Reyes hält zu ihm und obwohl die beiden einige der Probleme lösen können stehen sie am Ende doch mit vollkommen leeren Händen da. Und so muß Doggett seine Ermittlungen abschließen ohne auch nur einen Beweis gegen Kersh gefunden zu haben.
Selbst das Verhältnis zwischen Doggett und Skinner ist plötzlich ein anderes: Skinner zieht sich zurück, will nicht wirklich den Schritt tun, der nötig wäre um Dogget zu helfen und ist wieder mehr Chef als Verbündeter... es ist genau so, wie es früher einmal bei Mulder war, nur daß wir es als Zuschauer diesmal aus genau der anderen Richtung sehen. Wir wissen wem gegenüber Skinner loyal ist und wir können seine Entscheidungen nachvollziehen, für Doggett jedoch ist das zunächst mal unverständlich.
Es steht Doggett gegen die Welt, nur seine Partnerin steht zu ihm zur Seite und am Ende hat er nichts gewonnen. An wen erinnert uns das?
Aber obwohl die Vergleiche zwischen Doggett und Mulder auf der Hand liegen, sind die Gemeinsamkeiten dennoch nicht zu extrem, da sowohl Doggetts Antrieb ein ganz anderer ist, als auch seine Vorgehensweise.
Merkwürdiger Weise ist auch Doggetts Vergangenheit mit der Verschwörung verknüpft, da er mit den Replicants Knowle Rohrer und Shannon McMahon bei der Marine war und diese somit kannte... war es vielleicht doch nicht nur Willkür des Deputy Directors, daß ausgerechnet Doggett letztes Jahr mit der Suche nach Mulder beauftragt wurde?
Immerhin wissen wir, daß Kersh sowohl Verbindungen zum CSM pflegte, als auch die Replicants kennt. Gegenüber Doggett erwähnt Kersh dann ja sogar, daß auch sein Leben in Gefahr ist und er es war, der Mulder den Tip gab unterzutauchen. Und außerdem hat er die Leiche von Carl Wormus freigegeben und somit die Suspendierung Doggetts verhindert. Welche Ziele verfolgt Kersh also wirklich?
Bisher habe ich die Figur des Deputy Directors eigentlich nie als besonders interessant empfunden, er war ein Symbol für den unsympathischen Chef, dem man vor Agression am liebsten an den Hals springen will, wenn man ihn nur sieht. Während NIHT II hat Kersh aber deutlich an Profil gewonnen und man fragt sich wie es wohl mit ihm weitergeht und was er mit Mulders Verschwinden zu tun hat.
Eine wirkliche Erklärung für Mulders Abgang erhalten wir natürlich nicht. Scully weiß anscheinend was los ist, Skinner denkt sich seinen Teil und bei Kersh wissen wir nichts genau. Die derzeitige offizielle Erklärung lautet daher sein Leben ist in Gefahr, ebenso wie das von Willy Scully. Daher mußte Mulder verschwinden.
Es ist noch zu früh um stichfeste Mutmaßungen über das "warum" machen zu können... vielleicht spielt aber die Tatsache eine Rolle, daß Mulder nicht wie geplant zum Replicant wurde. Vielleicht geht es auch nur um Baby Willy und dessen Verbindung zu den Replicants und den Experimenten...
...denn eins ist zur Zeit sicher: Willy ist definitiv kein normales Kind. Er ist telekinetisch veranlagt! Doch welchen Umständen verdankt er diese Fähigkeiten? Ist der tatsächlich der erste natürlich geborene Replicant?
Auch die Frage was die Replicants nun eigentlich sind wird wieder gestellt und wieder werden uns zwei Möglichkeiten angeboten: Sind sie Ersatz-Aliens oder doch Super-Soldaten? Naja, die Antwort darauf scheint zunächst mal nicht so schwer, denn immerhin kennen wir das Schicksal von Billy Miles, auf den definitiv außerirdische Einflüsse gewirkt haben. Aber handelt es sich bei Rohrer & Co. um die gleiche Art von Replicants?
Die Figur Knowle Rohrer ist in diesem Zusammenhang wieder interessant eingebracht worden und man hat es innerhalb von wenigen Epsioden geschafft ihn zu einer Bedrohung und Informationsquelle zugleich werden zu lassen.
Shannon McMahon alias Lucy Lawless legt auch einen anständigen Auftritt ab, sie erinnert teilweise etwas an frühere Figuren wie Michael Kritschgau oder Jeremiah Smith, die in einem Mehrteiler eine wichtige Rolle spielen und unseren Protagonisten ihre Sicht der Geschehenisse nahebringen. Daher ist es schade, daß wir Lucy Lawless sobald wahrscheinlich nicht wiedersehen werden, bedingt durch ihre Schwangerschaft.
Neben Lucy Lawless gibt es aber noch einen weiteren neuen Charakter im Spiel, nämlich Assistant Director Brad Follmer. Dieser ist ein ein alter Bekannter von Agent Reyes und versucht ihr Verhätnis auch direkt wieder neu aufleben zu lassen, als er erfährt daß Monica in Washington ist. Obwohl das nicht so klappt wie gedacht ist er trotzdem um Reyes Zukunft besorgt und versucht ihr daher gegen ihren Willen zu helfen. Er haut Doggett bei Kersh in die Pfanne und will Reyes von den X Files retten.
Leider bleibt Follmer bei diesen Aktionen etwas oberflächlich und zu glatt um wirklich eine eingenständige Persönlichkeit zu haben. Statt dessen wirkt er auf mich ehr als reines Mittel zum Zweck um das Augenmerk mehr auf Reyes und ihren Hinterrgund zu lenken. Tatsächlich gelingt dies ganz gut und es wird einmal mehr verdeutlicht, daß Reyes zu Doggett hält ebenso wie zu den X Akten.
Als X Files Zuschauer in Deutschland, wo man immer mit der Sychro zu kämpfen hat und dem ewigen Shipper-Streitthema Duzen oder Siezen fällt es natürlich besonders auf, wenn Reyes Scully plötzlich Dana nennt, ebenso wie Doggett dies nun hin und wieder macht. Wenn man bedenkt daß Reyes Scully bei der Geburt geholfen hat, sollte das aber nicht weiter verwunderlich sein.
Zusammengefaßt kann man sagen, daß das Hauptaugenmerk beim Nothing Important Happened Today Zweiteiler nicht auf der Action und auf einer Weiterentwicklung der Handlung lag, sondern vielmehr auf den Dialogen und damit verknüpft besonders auf der Vertiefung der vorhandenen Charaktere.
Dies war aus zwei Gründen dringend nötig: Zum einen hat man in den vergangenen Staffeln immer wieder wichtige Charaktere getötet. Zum anderen haben sich die Mythologie-Episoden verändert von einem mehr erklärendem Zustand zu einer stetigen Weiterentwicklung, was weniger Raum für die Hintergründe der einzelnen Figuren ließ. Mit NIHT hat man den Spieß wieder umgedreht und man begnügt sich damit an offene Fragen anzuknüpfen und zu zeigen wie die einzelnen Charaktere mit der Situation umgehen. Besonders gelungen ist dies neben Doggett und Reyes gerade bei Kersh und Rohrer, mit denen man es endlich wieder vollbracht hat gute Charaktere zu entwickeln, anstatt sie immer nur zu killen.
Insgesamt also eher eine untypische Mythologiefolge, bei der die Liebe im Detail liegt und die durchaus ihre Reize hat, wenn man die neuen Hauptdarsteller mag und man nicht sofort jede Frage beantwortet haben will. Die leeren "Räume" die Mulder hinterlassen hat wurden somit ideal gefüllt und ich hoffe, daß 1013 dies auch weiterhin schafft und das "I want to believe" Poster noch eine ganze Weile im Kellerbüro des FBI hangen bleiben wird...
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