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Das Leben des John
Ich muss wohl unter Drogeneinfluss gestanden haben, als ich mir letzte Woche Montag einbildete, ich würde eine Akte X Folge sehen. Sicherlich hatte nur jemand seiner Phantasie den sprichwörtlich freien Lauf gelassen. Massakerähnliche Zustände per Axtschlag filigran eingearbeitet, der Splatter muss wohl noch am Leben sein. (Frank Spotnitz interessanterweise auch...)
Nach weiterem Kopfzerbrechen gingen mir die Augen auf, via negativ Beispiel hatte sich die neue Staffel eindrucksvoll zurückgemeldet. Und welch Grausen!
Selbstfindung begnügt sich heutzutage nicht mehr damit, esoterischen Thematiken achzuhängen, nein, es muss schon der Trip to Heaven sein und hoffentlich nicht mehr zurück. Der Guru und sein Assistent haben anscheinend nicht bedacht, dass Halluzinogene physisch - soziopathische Veränderungen im Menschen hervorrufen können, darunter zu finden: irrationales Morden, ein drittes Auge sowie schwindendes Erkennen der Realität.
In diese Dreifaltigkeit des Unglaublichen gerät also der gute John Doggett (seiner Scully beraubt). Mit Skinner an seiner Seite führen sie gute Ermittlungsarbeit durch, können Beziehungsgeflechte zwischen dem Sektenführer und dem "Doktor" herstellen, mit Hilfe der Lone Gunmen schwanen ihnen die Motive derselben und selbst der Deputy Direktor ist gar nicht mal so abgetan von Doggett/Skinner in duo. Bis zu dem Augenblick, in dem der Doktor blutig zugerichtet gefunden wird und der Sektenführer mit zersägten Hirn im Koma verweilt...
Doggetts Wahrnehmung scheint sich in Abgründe jenseits des Sympathischen zu verändern, angefangen mit der Macbethschen Einlage (Scullys Kopf in seinen Händen) bis hin zum eigenen beinah Tod. Gerade ihm, dem Neuskeptiker, geht das Gefühl für die Grenze zwischen Realität und Wahnsinn ab, er sieht die Gefahr nicht kommen und bleibt in seiner Angst gefangen. Um zu sehen, muss man wissen, und Doggett ist in Dingen des Paranormalen nicht bewandert, 1:0 für ihn, aber dass er mit solcherart von unterdrückter Aggressivität sich und andere in Gefahr bringt, ist schon bedenklich. Vielleicht sollte er mal mit Allys Psychiaterin reden, eine Lachtherapie würde auch ihm kaum schaden.
Das mäßigende Element in seinem Leben ist Scully (wie auch schon für Mulder). Zu ihrer Person fasst er Vertrauen und gleichzeitig wird sie zum Opfer in seinen Irrträumen. Was man von dieser Schizophrenie halten soll? Ich finde es unverzeihlich, dass gerade der Co - Executive Director Frank Spotnitz diese Verdrehung einsetzt, um den Schocker der Woche durchzudrücken. Scullys Krankenhausaufenthalt aufgrund ihrer Schwangerschaft (man möge uns außerdem vor 'bösen' Verschwörungsstories bewahren) geht in diesem Blutstrudel sang- und klanglos unter.
Hm, wenigstens gesteht ihr das Drehbuch die Rettung des perplexen Doggett zu. Während dieser nämlich glaubt, an Scullys Bett getreten zu sein, mit einer Axt ausgestattet, sich besinnt und das Übel gegen sich richtet, wandert Scully zum schlafenden Doggett, um ihn einfach aus seinem Alptraum zu wecken. Ergo Schlaf tötet.
Ohh, ich muss auch wach geworden sein. Der Schrecken schwebt von dannen! In Wirklichkeit hat es diese Folge gar nicht gegeben und ich muss mich nicht im geheimen vor Doggett (und seinem dritten Auge) gruseln und Akte X hat gewiss andere Qualitäten außer die homicide/suicide - Statistik aufzupeppen...
Da wären zum einen die SFX: der Tunnelblick, den man im Keller des FBI Gebädes schon mal erleiden kann, dann die nette Augenanimation, die aber wenig zur Verschönerung des Gesichts beträgt; zum andern böte sich noch die leckere Ratteninvasion an, noch nie war man geneigter nach dem Kammerjäger zu schreien als hier.
Ob sich das Augenmerk des Drehbuchführenden wohl nur aufs Visuelle beschränkt hat?
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