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Akte X im TV:
11.04.: K1, Der Teufel von Jersey
25.04.: K1, Schatten
Reviews

Via Negativa

Kritik von Anil Kunnel

DOGGETT: I'm not sure... I'm awake.

Die Hauptrolle in dieser Folge spielt Agent Doggett, Scully ist nur in ein paar Einstellungen zu sehen. Nun stellt sich jedem AkteX-Fan ja sofort die Frage, ob eine Folge ohne einen der regulären Hauptdarsteller bestehen kann. Hat Robert Patrick die schauspielerische Kraft, die Folge allein zu tragen? Ich denke dass man sich diese Frage langsam nicht mehr stellen muß. Denn 1. ist Robert Patrick sowieso ein Kultdarsteller in Filmen wie "Terminator 2" oder Robert Rodriguez Filmen wie "From Dusk Till Dawn 2", "The Faculty" oder "Spy Kids" und 2. hat er ja schließlich in der letzten Folge "Billy", in der er ja auch im Vordergrund stand bewiesen, dass man mit ihm mitfühlen kann.

Diese Folge hat einen außerordentlichen dichten Spannungsbogen, von dem Massen(selbst?)mord bis hin zu Doggetts Visionen und Albträumen. Visuell ist sie auch extrem ansprechend gelungen. Dogetts Albträume werden durch fast schon altmodische Mittel wie die immer länger werdenden Raumwände oder die fade-ins und -outs (wenn das Bild ins schwarz überläuft) gestaltet. Auf der anderen Seite gibt es auch wieder eine Menge Blut und viele Leichen. Der "dunkle Pfad zur Erlösung" kostet eben Leben. Ob der Sektenguru Tipet nun Opfer oder Täter ist wird nicht genau klar. Man sieht die grausam ermordeten Leichen aber auch den immer mehr eingeschüchtert wirkenden Tipet, der sich dann versucht das Leben zu nehmen.

Es gibt einige Parallelen zu Filmen wie "Nightmare-Mörderische Träume" oder dem Sci-Fi-Schocker "Event Horizon". Die Darsteller können die Grenzen zwischen Realität, Träumen oder Halluzinationen nicht mehr erkennen. Wissen nicht ob alles nur ein Traum ist. So wie in der Szene, in der Doggett Skinner klarzumachen versucht, dass er nicht weiß ob er nur träumt und Skinner ihn ironisch fragt ob er ihn kneifen soll. Loben muß man auf jeden Fall Robert Patricks schauspielerische Leistung. Er zeigt wie sehr er mit seiner Mimik spielen kann, sein immer schockierter wirkender Gesichtsausdruck im Verlauf dieser Folge ist glaubwürdig gespielt.

Einen besonderen Aufritt in dieser sehr düsteren Folge haben natürlich die Lone Gunmen. Sie lockern die Stimmung auf, kurz bevor Doggett ganz dem Wahnsinn verfällt. Ihre Diskussion ist schon deshalb wahnsinnig komisch, da hier zwei ganz verschiedene Welten aufeinander stoßen und sich am Ende rausstellt, dass Doggett doch den Durchblick hat.

Wie gesagt ist diese Folge sehr düster, und auch wenn Ähnlichkeiten zu irgendwelchen Filmen besteht, so hat sie doch viele Parallelen zu uns einer sehr bekannten anderen (leider nicht mehr existierenden) Chris Carter Serie: Millennium. Via Negativa wäre eine absolut typische Millennium Folge. Die Morde, das mystische am Weg der Erleuchtung, alles passt. Und ich glaube sogar, dass diese Folge niemals mit Mulder funktioniert hätte. David Duchovny ist zwar ein begnadeter Schauspieler, aber diese Folge wäre niemals so düster geraten, wenn er die Visionen gehabt hätte. Der Charakter John Doggett ist dem Charakter Frank Black viel ähnlicher. Er ist wortkarg - verliert nicht mehr Worte als nötig - und besitzt ein ausgeprägtes Pflichtbewußtsein, dagegen wirkt(e) Fox Mulder schon fast wie ein Anarchist.

Warum Dogget aber ausgerechnet Scully ermorden wollte, und ob ihre Unterleibsschmerzen irgendwas mit ihrer anormalen Schwangerschaft zu tun haben, das steht zur Zeit noch in den Sternen geschrieben. Jedoch ist den Machern mit dieser Folge eine absolute Glanzleistung gelungen. Langsam frage ich mich, ob ich nicht viel kritischer sein müßte, da mir die letzten Folgen alle gefallen haben, aber das scheint doch der Beweis zu sein, dass die 8. Staffel einfach interessanter ist. Und ich als Millennium Fan kann mich dann ja noch doppelt darüber freuen, dass solche Themen und Aspekte in das Storytelling aufgenommen werden.