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Akte X im TV:
11.04.: K1, Der Teufel von Jersey
25.04.: K1, Schatten
Reviews
Kritik von Rosalyn Hoppe

"Alles beginnt in Oregon" 7x22
"Verschwunden" 8x01
"Gibson Praise" 8x02


Scully: "Ich weiß wirklich nicht, ob diese Ausgaben noch vertretbar sind..."
Mulder: "Und wahrscheinlich finden wir gar nichts."
Scully: "Gehen wir Geld verschwenden."


Es ist mal wieder soweit, Finale und doch kein Ende in Sicht. In den vergangenen Episoden wurde oftmals die Tatsache erwähnt, dass sieben Jahre eine lange Zeit seien, um dieselbe Harmonie (oder die spaßigere Zwietracht) aufrechtzuerhalten. Und was geschieht in sieben Jahren mit den Protagonisten, was werden sie durchleiden müssen, um den Visionen eines Schöpfers gerecht zu werden, lohnt sich der ganze Aufwand nach so langer Zeit überhaupt noch?

Wenn doch alles wieder zurück auf die Stunde Null gedreht wird?

Bellefleur, Oregon, ist der Ort, an dem sich ein unvergleichlich ungleiches Paar zusammenrauft, um mysteriösen Geschehnissen auf den Grund zu gehen, damals wie heute. Und mit dem Ballast einer globalen Verschwörung, eines kosmischen Krieges, eines persönlichen Kampfes mit Glauben und Wahrheit begeben sich die Agents Mulder und Scully dennoch zu dem Ursprung ihrer wechselhaften Beziehung und haben die Chance, an alte Netze zu knüpfen. 'Vergangenheitsbewältigung' scheinen die Wälder zu summen...

Eigentlich auf der Suche nach einem abgestürzten außerirdischen Schiff sind die Agents damit beschäftigt, das mehr oder minder erfolgreiche Leben der ortsansässigen Entführungsopfer Billy und Teresa zu ergründen. Allerdings scheint das mit dem Eintreffen der alten Bekannten ein böses Ende zu nehmen, Teresa fällt dem Kopfgeldjäger zum Opfer, Billy hat schon längst seinen Vater an die Aliens verloren und überhaupt scheint sich der Außerirdischenschlund über dem schönen Örtchen Bellefleur aufgetan zu haben.

Die vormals beschwingte Stimmung der Folge erfährt eine plötzliche Wendung, als Alex Krycek und Marita Covarrubias (i. A. des Rauchers) auf Skinner, Mulder und Scully treffen. Man befürchtet Verrat, Hass und Lügen und während jeder die Seiten zu wechseln vorgibt, läuft Mulder schnurstracks in die offensichtlichste aller Fallen... die verdammte Suche nach der Wahrheit.

Mögen wir der Story von Chris Carter eines zugestehen, soviel Potential hat er noch nie ausgeschöpft, es kommt aber auch wirklich jeder vor: Rat Boy, die Uni - Blonde, die Lone Gunmen, der Raucher (bäh, wann hört der auf zu rauchen), die Kostenstelle des FBI...
Der mehr als ausgereizte Verschwörungsbogen schlägt zurück und gibt ein neues Bild frei: Mulder beschwört Scully einen Punkt zu setzen, irgendwann sei mal Schluss und Scully fragt sich, warum er sich gerade jetzt um ihr Wohlergehen sorgt.
Die nebulösen Bösen tun das, was sie am besten können, betrügen und Leute umbringen. Ehrlich gesagt, war der (vermeintliche) Tod des Rauchers so wenig mitleiderregend weil zu schnell in Szene gesetzt. Mulders auf die Straße gespraytes X gemahnte mich an alte Zeiten, währet den Anfängen etc., aber was Carter da mit seinen Charakteren für Schindluder betreibt... Marita war von einem auf den anderen Moment Kryceks Gehilfin, der Sheriff - Klon verschont das Leben seines realen Sohnes... Egal.

Diese Folge birgt Momente äußerster Vertrautheit, Scully und Mulder trösten sich ob ihrer verlorenen Möglichkeiten und was für ein Kontrast zu ihrem allerersten tête - à - tête! Man scheut die körperliche Nähe nicht mehr, man fühlt eine Sicherheit bei dem anderen, die es sonst nirgendswo geben kann, man gibt niemals auf!

Mulder wird nichtsdestotrotz entführt oder doch eher geht er einen Schritt zu weit in seiner Neugier! Als er den Kopfgeldjäger entdeckt, schwant ihm da so einiges von seiner Zukunft.

Skinner beweint einen Freund, er spürt seine Hilflosigkeit und er bemüht sich, Scully beizustehen. Und was macht diese? Die wird einfach schwanger! Geh zum Teufel, Carter! In den Tagen nach 'Memento Mori' und 'Emily' war man bereit, Scullys Unfruchtbarkeit zu akzeptieren, aber das Unvorhersehbare muss ja wohl eingebaut werden! Und so endet die Staffel Nummer Sieben mit einer FBI - Agentin und Mutter in spe, einem FBI - Agenten und Testobjekt prä mortem und vielen, vielen, vielen, vielen aber verdammt vielen Frusterlebnissen über immer neue Verstrickungen.

Macht das die X Akten letztlich aus? Zeit für ne kleine Ohnmacht...


Doggett: 'Wie gut kennen Sie Mulder?'


Neues Spiel, neues Glück? Noch immer sind Scully und Direktor Skinner auf der Suche nach Mulder, aber unerkannte Problematiken bahnen sich ihren Weg durch das Dickicht. Zum einen ist da der neue Deputy Director Kersh, kurzum der inoffizielle Nachfolger von Chief Blevins, zum anderen hat sich jemand Neues aufgetan, Special Agent John Doggett. Und was ist so besonders an ihm? (Außer, dass er im Vorspann aufgeführt wird und diese Ehre sonst nur longtime Agents gewährt wird...)

Die Karten wurden also neu gemischt (um mal bei der Hasard - Metapher zu bleiben). Scully muss ein ums andere Mal an den Identitäten ihrer Freunde, namentlich Skinner, zweifeln, denn der Klonmorph (vom Ork) treibt wieder sein Unwesen. Skinner selber will sein Versprechen gegenüber seiner Agentin um jeden Preis erfüllen, er mag nicht leugnen, was er gesehen hat. Kersh ist, wie gesagt, der absolute Herrscher im FBI (nun, wo der Raucher nicht mehr unter uns weilt), aber er braucht natürlich einen Handlanger. Jemand, der die Aktivitäten rund um Mulder in die Hand nimmt, jemand der ehrgeizig, skeptisch und unbestechlich scheint, nein, Scully steht außer Konkurrenz, denn gemeint ist John Doggett. Service Number: A6 27109, geboren in Atlanta, Georgia, nach einer militärischen Laufbahn in den Polizeidienst gewechselt, um dann dem FBI beizutreten. Keine unzugänglichen Geheimnisse ranken sich um diesen Mann und doch, woher kennt er Mulder, warum weiß er, wo das Fischfutter steht, weshalb sieht er einem Silberschleimmorph aus der Zukunft so verdammt ähnlich...

Scully verachtet ihn, sie glaubt, dass Doggett schuld an der sich verzögernden Suchaktion nach Mulder ist. (Also wenn das heißer Kaffee in dem Becher gewesen wäre, autsch!) Schließlich hat er einige X Akten beschlagnahmt, ist Kershs vorgeblicher Favorit und überhaupt, was für ein Snob! Trotz seiner Integrität ist er nicht davor gefeit, sich Scullys Beharrlichkeit bzgl. unerklärlicher Dinge und Ereignisse zu entziehen. Aber auch er sät Zweifel bei Skinner und Scully, als er mit Mulders Geheimnis aufwartet: dieser soll todkrank gewesen sein. Und auf Kommando taucht ein Grabstein auf. Man erinnert sich an Danas Stein, auf dem sie noch allein verewigt war, der Muldersche aber zeigt erschreckenderweise alle Familienmitglieder auf, von Bill über Teena, Samantha und dann eben Fox.

Und immer Doggetts Frage: Wie gut kennen Sie Mulder?

Nach einigen Diebstählen, die man Mulder anhängen will, dämmert es Scully und gleichzeitig auch Doggett, dass etwas ganz anderes auf dem Spiel steht, der geniale Gibson Praise eben. Alea iacta est...

In einem Rennen um die Zeit, warum eigentlich die Eile, setzt sich Team 1 (Scull und Skin) in Bewegung, ihr einziger Anhaltspunkt eine Karte mit UFO - Bewegungen der letzten Tage, während sich das Herausforderer - Team 2 (Dog und die übrigens Bugs) auf Rasterfahndung konzentriert. Beide Gruppen treffen gleichzeitig in Arizona ein, genauso wie der umtriebige Klon (oder einer seiner Mecha - Brüder). Gibson treibt die Panik von seinem Zufluchtsort, einer Gehörlosenschule, in die Wüste und wird schwups gefangen...


Eine Veränderung in der Personenkonstellation bringt oftmals viele Probleme. Wenn es sich dabei um eine größere Gruppe wie etwa bei Buffy oder bei etlichen Star Trek Serien handelt, bewirkt das Neue weniger Diskrepanz. Bei einem Duo liegt die Sache aber anders. Inwieweit Doggett Mulders Platz einnehmen wird, ist noch nicht absehbar, als interessanter Gegenpart zu Scully sind die Erwartungen aber hoch gesteckt.
Dass AD Skinner in größerem Maße involviert ist, scheint für diese neuen Relationen zu sprechen. Selten zuvor war er ein besserer Freund und Verschwörer (na, ja, er hat Krycek/Covarrubias angeschleppt) als in diesen Zeiten und er lässt eine erstaunliche Verletzlichkeit durchscheinen, etwa was seine schwindende Autorität innerhalb des FBI oder seine große Sympathie für Scully angeht. Auch seine Überzeugungen werden auf den Kopf gestellt.

Mark Snows musikalische Umsetzung von Scully als Dead Woman Walking in der Anfangssequenz der Episode oder Mulders lautloser Schmerz, den er auf einem feschen OP - Tisch erleiden muss und wiederum von Scully als eine auf sich alleingestellte Frau in der Wüste (erinnert mich an 'Spuren im Sand' mit Linda Hamilton), war überraschend und zugleich erschütternd. Carters/Manners visuelle Umsetzung der Folge brachte die Dimensionen des Alleinseins und Isoliertseins (Wüste) hervorragend zur Geltung und der creepy Teaser mit einem Fötus in Scullys Bauch, der sich als fast erstickender Fox Mulder herausstellt, mag der neuen Staffel ebenso einen hoffnungsvollen Einstand bereiten.

Ich kanns einfach nicht überwinden, dass das Wasser anstatt Kaffee in dem Becher war!


Scully: "Es geht noch nicht weit genug!"


Scully (aus dem Off): "Wir leben in einer selbsterschaffenen Dunkelheit. Es gibt eine belebte Welt, die wir nicht sehen wollen. Eine Welt der Wesen, die durch Zeit und Raum reisen. Eine Welt, die wir uns nur in unserer Phantasie vorstellen können.
Wer sind diese Wesen, die wir uns zwar vorstellen können, die wir aber nicht akzeptieren wollen? Welcher geheimnisvollen Arbeit gehen sie in ihren unglaublichen Maschinen nach? Verborgen vor uns durch unsichtbare Kräfte?
Wenn sie unsere Geheimnisse kennen, warum dürfen wir ihre nicht erfahren?"


Wenn Gibson sagt, dass Mulder "irgendwo da draußen" ist, macht sich bei mir ein Lächeln breit, denn irgendwie kehren sich die Verhältnisse vollends um. Die Jagd auf den Mulder - Klon geht fröhlich weiter, Gibson wird wieder einmal zwischen denen, die helfen und denen, die töten wollen, hin- und hergereicht, die Wüste wird von Tag zu Tag unwirtlicher und dann dieses glibbernde Raumschiff mit einem aufgespießtem Mulder im Innern...

Scullys Nerven liegen blank und dann kommt der unfehlbare John Doggett daher und mag ihrem Instinkt nicht folgen, kein Wunder dass Misstrauen, Aggression und Verzweiflung sich breitmachen. Dennoch schafft sie es, Gibson ausfindig zu machen, ohne dass Doggett ihr in die Quere kommt.

Skinner ist indessen erfolgreich bei dem Versuch, Zweifel beim Leiter des Sonderkommandos zu säen; da man ihn jahrelang als Bauernfigur missbraucht hat, kann er seine Erfahrungen nun mit dem Neuling teilen.

Es kommt, wie es kommen muss, nach der Rettung von Gibson, verpasst Scully es, dem nahen Mulder aufzuspüren und muss stattdessen mit Doggett vorlieb nehmen. Im Krankenhaus treffen alle Seiten aufeinander, Skinner k. o., sein Klon mit Gibson unterwegs, Scully will kein zweites Mal Waffengewalt durchsetzen und wird doch getäuscht. Klatsch, der Kopfgeldjäger setzt Scully außer Gefecht, die ihn mit einem gezielten Genickschuss verabschiedet.

Als sie weinend am Boden liegt, ist Doggett da, um ihr zu helfen. Es reicht!

Der dritte Teil dieses Entführungsspektakels markiert einen Umschwung in den Auffassungen der Charaktere. Doggett wirft Scully vor, dass sie ihm irgendwie schon wie Mulder vorkommt und Scully verteidigt im Gegenzug ihre Erkenntnisse der letzten Jahre und hält ihn für borniert. Die Ironie ist eindeutig, Scully und Skinner glauben und Doggett bleibt argwöhnisch. Carter verschwendet kaum Zeit darauf, Unklarheiten in bezug auf ihre Glaubenspositionen zu belassen, er dreht den Spieß kurzerhand um. So, weiter im Alltag. Ach, ja, dann ist da noch Mulder, ob ihm das Beweis genug für die Existenz Außerirdischer sein wird? Man kann es ihm nur wünschen. Denn erstmal ist er wohl von der Bildfläche verschwunden.

Obwohl ich nicht unbedingt die Verbindung zwischen Mulders Entführung und Gibsons Fähigkeiten erkennen kann, glaube ich, dass irgendjemand (aber wer bloß?) die beiden zu seinem Zwecke opfern wollte. Diese Verschwörungsstories...

Doggetts Krankenbesuch bei Scully ist schon erquickend zu beobachten, sie mag ihn nicht mehr als bloßes Ärgernis betrachten, aber dass er ihr neuer Kollege wird, verschlägt ihr dennoch die Sprache.

Die Weichen sind gestellt und die X Akten haben neues Blut vielleicht nötig. Es reicht wirklich!