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"Ich habe ihm die Wahrheit gesagt. [...] Folie à deux, ein Wahn, den zwei Leute teilen." Dana Scully
Millennium - "Clares Weg", PRO7 20:15 Uhr
Akte X - "Folie à deux", PRO7 21:15 Uhr
Chicago Hope - 'Austin, wir haben ein Problem', Sat1 22:15 Uhr
Chicago ist die Verbindung zwischen den letzten beiden Serien und was die ersten beiden Serien vereint, das weiß nur Chris. Zumindest kann ich der Versuchung nicht widerstehen, hier ein Crossover reinzubringen.
Das Programmheft besagt, dass Millennium neuerdings vor Akte X gesendet wird. Anscheinend ist mit dem voranschreitenden Grad an Mystery beim ersteren und der parallel dazu verlaufenden Entwicklung zu Smashing Insects u. ä. bei letzterem so ein Tausch nötig. Wie auch immer, Millennium war natürlich ein Blick wert: der Teaser erinnerte mich entfernt an Szenen aus The Craft [Der Hexenclub], eine genregerechte Highschoolinquisition bahnte sich an...
Lara Means, spirituell-gesegnet/verflucht, und Katherine Black, verheiratet mit dem, der das Böse fühlt, außerdem Psychiaterin, neigt zu Skeptizismus [oiy, déjà-vu], wissen auf unterschiedlichen Ebenen mit Clare McKennas Seelenzustand umzugehen, jedoch gibt es beim Auswerten ihrer Untersuchungen Differenzen. Der religiöse Schein und das Sein stehen im Vordergrund: Clare 'sieht' die Jungfrau Maria bzw. Maria Magdalena. Man möge sich das vorstellen, das Gleichnis von den zehn Jungfrauen [Mt 25, 1-13] konkurriert mit der wunderbaren Speisung einer großen Menschenmenge [Joh 6, 11f.], mittendrin giggelnde Mädchen oder gläubige Marienverehrerinnen sowie ein Prediger und sein Sohn, die jüngst den Teufel an die Wand malen wollen...
Katherine glaubt [ein gefährliches Wort in diesem Kontext] an das Übliche: mangelnde Aufmerksamkeit, Kompensation des Verlustes der Mutter, Mädchenstreich. Lara hat eine goldige Marienerscheinung, sie hat tausendjähriges Millenniumwissen zur Hand, sie hat Angst. Dann verflechten sich auf eigenartige Weise die Wege der Sehenden, Ben Fisher/die Mädchen um Clare [hell, a pun!], mit denen der Zweifelnden, Blinden, Zögernden, Clares Vater/der Prediger/Lara.
Katherine steht dazwischen, sie sorgt sich um das Wohlergehen von Clare, sie will sie beschützen. Nachdem Lara und Katherine die Marienerscheinung mit eigenen Augen erblickt haben, führen sie ein Gespräch über die Gabe zu sehen, die sich für Clare bislang als Segnung darstellt, für Lara schon eine furchtbare Last ist und für Katherines Mann das Ende bedeutet, falls er nicht unterstützt wird, falls niemand für ihn da ist. Lara gibt zu, dass sie nicht weiß, "wo das Böse lauert, nur dass es existiert". Das allein lässt sie schon erschauern. Im Verlauf der Geschichte verliert Clare, schicksalhaft, ihren Behüter, Zuhörer und Mentor und glaubt, dass ihr Leben zerstört sei.
Am Ende bekommt Katherine Antworten auf ihre Fragen, wenn auch unbefriedigende, Clare weiß nicht wie ihr Leben weitergehen soll [die Family ist bedrohlich unfern] und Lara... sie hat sich in die Isolation [exclusion, siehe Akte X-Folge] zurückgezogen, in die sie undank ihrer Gabe geraten ist. Der englische Titel der Folge lautet Anamnesis, was den Vorgang der Erinnerung der Seele an ihre vorgeburtlichen Ideen beschreibt, eine ambivalente Angelegenheit, wie gesagt...
Die Einstellung gegenüber des Sehens und Glaubens erzeugte in den jeweiligen Folgen einen dynamischen Druck, der von den gegensätzlichen Charakteren Katherines und Laras sowie der weniger stark ausgeprägten Polarität Mulders und Scullys getragen wurde. [Wer nochmal hat seine Examensarbeit über Akte X geschrieben?! Kauderwelsch gehört auch zu meinem Repertoire.] Dieses Spannungsmoment ist das kongruenteste und hervorragendste, das im CC-Universum existiert...
Vielfach werden Menschen, die behaupten, etwas zu sehen, das kein anderer sieht, für verrückt und unzurechnungsfähig erklärt. Auch Mulder ist anfangs geblendet von der scheinbaren Irrelevanz des Falles, den ihm Skinner so autoritär unterschieben möchte. Sichtlich aufgebracht darüber, wieder einmal der Dummy beim FBI zu sein, lässt er Scully daheim und wird prompt in eine Geiselnahme verwickelt. Was lässt das bloß für Schlüsse zu?! Gary Lambert versucht mit handfeuerfesten Argumenten seine Monstertheorie zu stützen: Er allein, das verriet uns der Teaser, kann ein zirpendes, swingendes, glitschig-ekliges [okay, das ist rein subjektiv bemessen] Insekt in Metergröße sehen, dass anderen den Willen raubt und sie zu sogenannten "Zombies" umpolt.
Allein die Vorstellung stundenlang in einem 1 x 1 Meter kleinen Kabuff zu sitzen, konsumverherrlichende Textzeilen [ganz zu schweigen von der $100-Methode] übers Telefon zu verbreiten und auch noch "nett" dabei zu lächeln, würde mich glatt dazu verleiten, meine Umgebung in einem gaaaanz anderem Licht zu betrachten. Wie auch immer, dank der allgemeinen "visuellen Agnosie", ich würde fast sagen, Ignoranz, werden die schlimmsten Befürchtungen nun Wirklichkeit: Nur ich erkenne plötzlich die tödliche Gefahr, die von meinem Vorgesetzten im grauen Anzug mit dem Conehead und den Assimilationsröhrchen ausgeht, ahhhh!!!!!
Noch bevor das Insektizid in Form von Munition benutzt werden kann, wird der Geiselnehmer selbst erschossen, nicht ohne Mulder noch in den 3D-Kipp- und Erkenntrick eingeweiht zu haben. Uh, oh, wenn der toughe Agent glaubt, etwas gesehen zu haben [UFOs, Aliens, süffige Filme], dann gibt es kein Entrinnen mehr. Scully kann nichts sehen, weil ES sich im Licht sein Versteckchen gesucht habe, das Redheads einfach nicht zugänglich ist [soll heißen: zu einfach, um logisch zu sein]. Zu Mulders Glück ist Scully seine "einzige Chance unter 5 Milliarden" Menschen, die ihm glauben schenkt; also versüßt sie ihm das ans-Bett-gefesselt-sein-Szenario, indem sie nach Indizien für eine Ungezieferattacke sucht. Tja, hätte sie vorher nicht... und dann endlich, folie à deux, zum zweiten Mal an diesem Abend. Da Unkraut so schnell nicht vergeht, entkommt das blutsaugende Etwas und terrorisiert nun andere Telefonisten mit seinen Ausdünstungen. All's well that ends well...
Hey, Mulder versucht sich in Profilermanier dem Rufmörder und späteren Zombiejäger zu nähern, er scheint seinem John-Barnett-Erfolg [Ewige Jugend, Young at heart, 1 x 16] nacheifern zu wollen. Erfolgreich, denn der wild mit dem Maschinengewehr [hm, lockere Waffengesetze zum zweiten] herumfuchtelnde Gary wird elimiert, der Tag ist gerettet. Das soll aber den promovierten Psychologen nicht davon abhalten, sich ein bisschen Wahnsinn einzufangen [Biogenesis, 6 x 22, stellt den wohl vorläufigen Höhepunkt dieser Entwicklung dar], die ausgebildete Frau Doktor verdreht im Hintergrund genervt die Augen, selbst wenn Mulder mit seiner paranormalen Trefferquote winkt.
Eigentlich fand ich die ganze Folge eher zum Schreien komisch als schreiend ernst, ich weiß nicht woran es lag, Insekten haben einfach komisches Potential [KdK, 3 x 12], die häufige Nennung von Zombies und Monstern ließ eher an einen Splatter denken und vor allen Dingen diese Krankenschwester! Ich war fast froh, dass sie angeknabbert wurde, wer sagt schon so was Beklopptes wie "lassen Sie sich nicht von den Schlafläusen beißen" [ha, wäre es nur mal ne Laus!]. Aber bei all dem versteckten Galgenhumor fand ich es bedauerlich, dass Garrys Leidensgenossin und Tischnachbarin in der Telefonzentrale keine Chance hatte, mit dem armen Mann anzubandeln. Nach ihrer Assimilierung [habe ich schon mal erwähnt, dass ich Star Trek mag] war natürlich Schluss mit lustig.
Der Chef, das unbekannte Wesen...?! Manche Leute reizen einen bis aufs Blut, wobei nicht vorausgesetzt wird, dass diese sich frech davon bedienen dürften. Und mal abgesehen von Mr. Pincus anderer Existenz war er als Mensch eine Witzfigur, niemand auf den man seine Wut projizieren müsste, da fand ich den Sklaventreiber, "sie müssen nett lächeln, Gary", schon eher als Feindbild geeignet. Skinner ist da wieder ein ganz anderes Format, in der letzten Folge noch konspirativ mit Mulder verbunden und jetzt schon wieder auf dem militärischem Drilltrip? Na, ja, womöglich war schlechte Laune Ursache... ein lückenhafter Bericht ist doch kein Grund für... was meinen Sie mit wirr und unverständlich... mich... unmöglich!
Ich will ja gar nicht erst fragen, wie es angeht, von einem Insekt getäuscht zu werden [von wegen Duftstoffe, das klappt ja kaum innerhalb der menschlichen Spezies, nicht bewusst zumindest], aber... warum ist an der verfluchten Tür vom X-Files Bureau nur ein Namensschild mit seinem Namen darauf, wieso redet er dauernd in der ersten Person Singular, weshalb ist Vince Gilligan [Die unüblichen Verdächtigen, Böses Blut] autorenmäßig der beste Darin Morgan seit... äh, Darin Morgan, wieso, in aller Welt, kann Mulder sein Handy nicht auf stumm schalten und wieso hört nie einer auf Scully? Irgendwelche Antworten, nein, muss wohl ein Fall für die X-Akten sein...
Der alltägliche Wahnsinn hat anscheinend Tradition bei Akte X: Unsere kleine Stadt [2 x 24] bescherte den Leuten Hühnchenphobie, Blut [2 x 03] ließ anständige Bürger zu Amokläufern werden und Ferngesteuert [3 x 23] war nichts für schwache TV-Junkiesnerven. Nichtsdestotrotz "Folie à deux" [Français est fantastique] sollte uns eine Warnung sein, Wahnsinn ist ansteckend!
Hab ich irgend etwas vergessen? Oh, David E. Kelley und seinen Beitrag zur Fernsehkultur in Form von Picket Fences, Chicago Hope, The Practice, Ally McBeal... Wenigstens einmal muss Chicago Hope im Zusammenhang mit Akte X genannt werden, auch wenn überhaupt keiner besteht. Urgh, so verbringe ich meine Montag Abende: nonstop TV; wenn da kein Chaos aufkommt... hm, ein Krankenhaus hätten wir ja, Scully ist doch Ärztin, Katherine gehört auch zur Gilde der Heiler und Lara Means wäre sicherlich enthusiastisch genug, Agent Mulders Theorien zu lauschen. Rechtfertigt d a s ein winzig kleines Crossover???!!!
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