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Akte X im TV:
11.04.: K1, Der Teufel von Jersey
25.04.: K1, Schatten
Reviews

Leonard Betts

Kritik von Ulrike Straub

Akte X ist ja grundsätzlich nichts für zart besaitete Gemüter, und "Leonard Betts" treibt auch die etwas hartgesotteneren Fans an ihre Grenzen. Trotzdem war die Folge sowohl in den USA als auch hier in Deutschland sehr erfolgreich. In der Tat sollte man alle Bedenken gegenüber abgetrennten Körperteilen beiseite räumen, denn dies ist eine der packendsten MOTW-Folgen überhaupt!

Das liegt zunächst an der im Grunde genommen simplen Handlung. Eine wirklich gute MOTW-Folge basiert fast immer auf einer einfachen Idee und einer klar strukturierten Geschichte. Gerade in der vierten Staffel finden sich einige Episoden mit verwirrendem Plot ("Teliko"), mit zu vielen beteiligten Personen ("Hexensabbath") oder Episoden, die psychologisch überfrachtet sind ("The Field Where I Died"). Dagegen konzentriert sich "Leonard Betts" auf die Titelfigur, schildert verständlich ihr Handeln und ihre Beweggründe und gibt ihr sogar eine Seele. Die Idee eines cancerösen Menschen, der sich von Tumoren ernährt und deshalb Krebspatienten überfällt, erinnert zwar an die Folgen "Das Nest" und "Fett", neu ist jedoch das Thema einer totalen menschlichen Reproduktion. Dazu fallen von Scullys Seite die Namen einiger medizinischer Details, aber prägnanter sind in diesem Fall Mulders einfache Erklärungen, die das Phänomen Leonard Betts klar verständlich machen: "Schneiden Sie einen Wurm in der Mitte durch, und Sie haben zwei."

Dazu kommen die vielen tollen Spezialeffekte in dieser Folge, wie z.B. der noch blinzelnde abgetrennte Kopf, der ausgerissenen Finger und nicht zuletzt Leonard Betts, wie er aus seinem eigenen Körper schlüpft. Natürlich kann man sich fragen, ob derartige Details wirklich nötig sind, aber auf keinen Fall kann man der Folge vorwerfen, daß sie einfach nur billigen Horror verbreite. Die Effekte werden sehr wirksam eingesetzt, denn wer ist nicht zusammengezuckt, als der Kopf während der Autopsie plötzlich "postmortale Energie" freisetzte?

Unter Spezialeffekte könnte man eigentlich auch noch die beachtliche Leistung Gillian Andersons anführen, mit 5-cm-Absätzen auf dem Krankenwagen herumzuturnen und gegenüber Betts Karateübungen zu vollziehen.

Ein weiterer Aspekt, der "Leonard Betts" zu einer exzellenten Folge macht, ist der typische Akte-X-Humor, der hier nicht zu knapp kommt. Allein Mulders angewiderte Reaktion angesichts der medizinischen Aktivitäten seiner Partnerin und umgekehrt Scullys Blick, als Mulder ihr seine Theorie unterbreitet, sind wieder einmal unbezahlbar. Höhepunkt in dieser Hinsicht ist jedoch die gemeinsame Suche der Agenten im organischen Müll der Klinik nach dem Kopf von Leonard Betts. Köstlich!

Wem aber trotz allem diese Episode zu grobschlächtig ist, bekommt immerhin am Ende der Folge noch demonstriert, daß die Macher der Serie durchaus auch in der Lage sind, mit nur einem einzigen schlichten Satz eine Gänsehaut zu verursachen, als nämlich Betts auf Scully zugeht mit den Worten "Sie haben etwas, das ich brauche....". Eine geniale Überleitung zu der folgenden Krankheitsgeschichte Scullys und raffinierter Schluß einer durch und durch gelungenen Episode!