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"Groteske" ist eine der gängigen MOTW-Folgen, d.h. sie ist handlungsorientiert und leistet sich weder Stilexperimente noch Abschweifungen in die außerdienstlichen Lebensbereiche der Agenten. Eigentlich beruht diese Episode auf einer sehr interessanten Idee, die jedoch nur ansatzweise und sehr inkonsequent umgesetzt und im übrigen weitestgehend verschenkt wurde.
Das Thema ist insofern ungewöhnlich, als nicht der zunächst verhaftete John Mostow "das Monster" ist, sondern der ermittelnde Agent Patterson, es also um ein FBI-internes Problem geht. Der Einfall, einmal zu zeigen, daß der tägliche Umgang mit Verbrechen nicht spurlos an einem Agenten vorbeigeht, ist an sich gar nicht schlecht. Daß Patterson im Laufe der dreijährigen Ermittlungen Züge des gejagten Mostow angenommen hat, erscheint auch durchaus plausibel. Daß allerdings auch Mulder innerhalb weniger Tage in denselben Bann gerät, ist weniger überzeugend. Mir ist unverständlich, warum man die Problematik nicht an Patterson aufgezogen hat. Statt dessen bleibt Patterson eine Nebenfigur der Folge, von dem allenfalls dritte Personen erzählen. Mulder hingegen verfällt Mostows Figuren ohne ersichtlichen Grund, denn auch wenn er paranormalen Phänomenen gegenüber sehr aufgeschlossen ist, so ist er doch so leicht nun wieder auch nicht zu beeinflussen.
Ein weiterer Schwachpunkt ist, daß die unterschiedlichen Ursachen für Mostows und Pattersons Verhalten nicht klar herausgearbeitet werden. Man spielt mit der Idee, daß Mostow von Dämonen besessen sein könnte. In einer Szene wird auch kurz erläutert, daß die Grotesken ursprünglich Dämonen abwehren sollten. Doch Patterson und Mulder, um die die Folge eigentlich kreist, sind nicht im selben Sinne wie Mostow von einem Dämon, sondern von ihrem Fall besessen. Am Ende, als Patterson hinter Schloß und Riegel sitzt, kehrt man dann jedoch noch einmal zu Mostow zurück,der nach wie vor auf seine Heimsuchung von Dämonen beharrt.
Wann immer in der Serie das Thema Besessenheit auftaucht, fällt von Scullys Seite der Begriff des "dissoziativen Verhaltens", also eine neurologisch-psychologische Begründung, mit der sie allerdings in der Regel nie Recht behält. Anscheinend paßt es nicht zum Image einer Mystery-Serie, als letzte Ursache auch einmal stehenzulassen, daß jemand schlicht und einfach verrückt ist. Im Fall von Patterson wäre das allerdings sinnvoll gewesen, und es wäre auch nicht zwangsläufig weniger erschreckend als die Besessenheit von einem Dämon. Allein das Wort Besessenheit garantiert jedenfalls noch keine Spannung, zumal wenn wie hier bei Mostow nicht weiter darauf eingegangen wird, von welchem Dämon jemand befallen ist und warum.
Auch stilistisch wird das Motiv der Wasserspeier nicht richtig ausgeschöpft. Man denkt dabei an die Ästhetik gotischer Kathedralen, die auf ihre Art auch sehr unheimlich sein kann. Statt dessen sind aber die von Mostow geformten Grotesken ekelhafte Figuren wie die meisten anderen Monster der Serie auch. Vielleicht will man gerade keine Ästhetik. Allerdings soll Autor Howard Gordon von der Legende um die Wasserspeier sehr fasziniert gewesen sein und wollte dieses Motiv angeblich unbedingt einbauen. Und da frage ich mich dann doch, warum er dieses Stilmittel nicht mehr ausgenutzt hat. Das wäre die Gelegenheit gewesen, der Episode ihre eigene Note zu verleihen, aber sie wurde verpaßt.
Schließlich muß ich noch bemängeln, daß die Folge keinen Funken Humor enthält, ohne dabei aber wirklich tragisch zu sein. Der Dialogwitz ist eines der Markenzeichen der Serie. Es geht in Ordnung, diesen Witz einmal völlig auszusparen, wenn eine Episode eine unheilvolle, traurige Stimmung nicht kaputt machen will, so z.B. bei manchen Mythologie-Folgen. Aber bei "Groteske" ist es einfach nicht gelungen, eine derartige Atmosphäre zu schaffen, und da wäre es nett gewesen, wenn wenigstens ein paar markante Sprüche gefallen wären.
Es gibt aber auch einen positiven Aspekt an der Folge, nämlich daß sie den Teamgeist zwischen Mulder, Scully und Skinner sehr schön herausstellt:
In "Fight The Future" sagt Mulder zu Scully, ihre Vernunft habe ihn tausend Mal gerettet, aber wenn man es recht bedenkt, fallen einem nicht sonderlich viele Fälle ein, weil Scullys wissenschaftliche Erklärungen letztlich selten zutreffen. "Groteske" muß aber wohl eines von diesen tausend Malen sein, denn hier ist es tatsächlich einmal so, daß Scullys kühler Kopf Mulder davor bewahrt, Opfer seiner Emotionalität zu werden. Am bemerkenswertesten ist jedoch die Szene, in der Skinner Scully über Mulders Zustand aushorcht: Scully verneint Skinners Frage, ob sie um Mulder besorgt sei, und Skinner erkennt und toleriert diese Lüge. Für viele Fans der Serie ist Skinners Rolle immer noch ein Rätsel, weil er sich, wie auch hier wieder, zu seiner Person und seinen Ansichten wenig äußert. Doch meiner Meinung nach läßt gerade dieser Auftritt Skinners keine Zweifel an seiner Integrität und Loyalität.
Da sich die Serie insgesamt auf einem recht hohen Niveau bewegt, ist natürlich auch "Groteske" eine immer noch sehenswerte Folge. Aber im Vergleich zu anderen Episoden ist sie allenfalls durchschnittlich und somit letztlich eine Folge, die den Zuschauer 45 Minuten angenehm unterhält, die er dann jedoch auch schnell wieder vergißt.
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