SucheFree ePostcardsHomeContact / FeedbackChatThe X Net ForumLinksMultimediaFotogalerieA-Z der X-FilesEnglische und deutsche TranscripteEpisode GuideNewsSitemap
Akte X Auktionen Akte X und die Darsteller im TVThe German X-Files FAQSpoilers of the XThe Lone GunmenX-FilesMusic.de
Bedeutung der Titel Sendedaten US Titel Deutsche Titel Alle Autoren Alle Regisseure Alle Schauspieler Timeline Mythologie Season 9 Season 8 Season 7 Season 6 Fight the Future Season 5 Season 4 Season 3 Season 2 Season 1
Akte X im TV:
11.04.: K1, Der Teufel von Jersey
25.04.: K1, Schatten
Reviews

Energie

Kritik von Ulrike Straub

Eigentlich will Akte X seine Zuschauer nicht in erster Linie zum Lachen bringen, aber "Energie" ist eine bewußt humorvolle Folge und damit ein Vorläufer der legendären Episode "Bad Blood". Natürlich ist "Energie" noch nicht ganz so konsequent satirisch wie "Bad Blood", aber für dieses frühe Stadium der Serie doch sehr ungewöhnlich. Es ist eine MOTW-Folge mit einer sogar recht komplexen Handlung, aber es ist auch eine Parodie auf das Horror-Genre und auf die Serie selbst. Die Folge zeigt auch in einer Szene ihr eigenes Vorbild, nämlich einen Slapstick-Film über einen chaotischen Polizeieinsatz, musikalisch passenderweise untermalt von Aram Khatchaturians Säbeltanz. Und genauso ist "Energie": Chaotische Ermittlungen, und Mulder und Scully schwingen, zumindest verbal, die Säbel.

Schon das Highschool-Szenario ist (glücklicherweise) ein für die Serie ungewöhnlicher Schauplatz und drängt sich - zumindest für uns Europäer - geradezu für eine Satire auf. Es gibt den basketballspielenden Mädchenschwarm, Eifersüchteleien unter den Cheerleadern, Teenagerparties und alles, was wir sonst noch mit einer Highschool verbinden und uns furchtbar albern vorkommt. Eigentlich fehlt noch der obligatorische Abschlußball, aber wahrscheinlich wollte man sich nicht an Steven Kings "Carrie" vergreifen. Der Geniestreich der Episode besteht darin, daß Mulder und Scully nicht Außenstehende bleiben, sondern in das irrwitzige Geschehen voll eingebunden werden, indem auch sie von der seltenen planetarischen Konstellation beeinflußt werden und jede Beherrschung über ihre Marotten verlieren.

Das zeigt sich natürlich zunächst an ihren unterschiedlichen Einstellungen zu dem Fall. Mulder und Scully sind selten einer Meinung, und das wird hier voll ausgeschlachtet: Scullys Ablehnung ist rigoros, und während sie sich sonst Mulder im Verlauf einer Folge annähert, steigert sich hier ihre Skepsis zur Verachtung. Dagegen ist Mulder begeistert von der Idee eines Satanskultes, ohne daß es irgendeinen Anhaltspunkt dafür gibt, und begegnet Scully mit blindem Oppositionismus. Wie irrational beide sich verhalten, wird deutlich in der Szene, als Scully bei der Autopsie das Brandzeichen überhaupt nicht sehen will, während Mulder nicht erkennt, daß es sich schlicht und einfach um das Emblem der Highschool handelt, obwohl dieses überall auftaucht. Um zu betonen, daß sowohl Mulder als auch Scully hier aus ihren Rollen gefallen sind, liegt die Wahrheit in diesem Fall letztlich in der Mitte zwischen ihren beiden gegensätzlichen Standpunkten: Es war zwar nicht Satan, der die Morde begangen hat, aber mit Saturn, Merkur und Mars bestand doch ein überirdischer, wenn auch nicht übernatürlicher Einfluß auf das Geschehen.

Aber auch außerhalb der dienstlichen Ermittlungen stehen sich Mulder und Scully feindseelig wie nie gegenüber. Da die beiden in der Serie gewissermaßen Stereotypen sind, auf deren persönliche Eigenschaften und Ansichten nicht so vertieft eingegangen wird, sind diese ungewöhnlichen Verhaltensweisen natürlich verblüffend - und komisch! So z.B. bei den Treffen mit Detective White (die Mulder für keine Jungfrau und Scully noch nicht einmal für eine Blondine hält): Scully, schon unter normalen Umständen kein Mensch von überschäumender Herzlichkeit, giftet Mulder und White gleichermaßen an. Mulder gibt sich zunächst spöttisch schweigsam und steckt nur neugierig seine Nase zwischen die beiden Frauen (großartige Kameraeinstellung!). Später appelliert er an Scullys mangelnde Weiblichkeit und Charme, indem er aufdringlich an ihr schnuppert, aber leider nicht sein Lieblingsparfüm riecht. Höhepunkt der Folge ist sicherlich zum einen, als Scully "Obermacho" Mulder das Monopol des Autofahrens entreißt und ihn durch ihren rabiaten Fahrstil in Panik versetzt, zum anderen die Szene, als Scully mit der Zigarette im Mund aufgebracht durch ihr Hotelzimmer tigert. Stilistisch nähert sich die Folge am stärksten ihrem Slapstick-Vorbild an, als um Mitternacht plötzlich auf der Polizeistation alle Revolver von selbst losgehen und sogar die großen FBI-Agenten nur noch in Deckung gehen.

"Energie" ist noch nicht so kompromißlos satirisch und unkonventionell wie "Bad Blood", was zeigt, daß die Serie in mancher Hinsicht doch auch noch besser wurde. Aber gerade im Vergleich mit den typischen Sitcoms ist es schon erstaunlich, mit was für einfachen Gesten hier eine temporeiche Komödie geschaffen wurde. Die Episode ist ein Feuerwerk an Gags, die ich hier noch lange nicht alle aufgezählt habe, und ein absolutes Highlight der Serie.