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»A long, long time ago, I can still remember…«
American Pie, Madonna
Wow! Die vierte Folge einer ersten Staffel, die damit begann, dass ein UFO-Jünger ungelöste Fälle bearbeitete und ihnen auf den wahren Grund gehen wollte, war ein Schritt in Richtung persönlicher Kreuzzug...
Die Pro Sieben Aktion "Wir wählen, die zeigen" ist ein löbliches Interagieren zwischen den Meistern der Werbeblöcke sowie der beinahe authentischen Synchronisation und den ewig unzufrieden-kritisch-aufmerksamen Fernsehzuschauern. Den Anfang haben also die frühen "Signale" aus der ersten Staffel gemacht. Auch ich habe mich der werbewirksamen Wahl der beliebtesten [hm, Teso dos Bichos hat ja wohl keine zweite Chance verdient] Folgen
nicht entziehen können und mir die Site im Internet angesehen. Die Aufteilung war ziemlich klar: Monster, Verschwörungen, Amore [?!], Aliens, Bizarres... ich wollte die Gelegenheit nutzen, einige Folgen der ersten und zweiten Staffel anzuclicken, die ich verpasst hatte, mir anzusehen. Beispiele: Die Eugene Tooms Fälle, den Jersey Teufel, Deep Throat in Aktion, die ersten handfesten Verwirrspiele der Regierung/des Konsortiums gemeinsam mit den Kolonisten etc., wer weiß, vielleicht werden meine geheimsten Wünsche erfüllt, die vorläufigen Ergebnisse sahen sehr vielversprechend aus.
Um so erstaunlicher fand ich die Entwicklung, die dieser Serie zuteil wurde, insbesonders, was die Art Geschichten zu erzählen und die Möglichkeiten in Sachen Filmtechnik und vor allem die Besonderheit der Charaktere betrifft. [Ist mir doch tatsächlich erst beim Schauen dieser alten Folge aufgefallen, vor dem Hintergrund fünf
nachfolgender Staffeln wird's auch höchste Zeit]. Als selbst das FBI-Gebäude in warmes Sonnenlicht gehüllt war, keine Rauchschwaden die Aussicht vernebelten, der Chef dein Gesuch ablehnen wollte, fühlte ich mich gleich in andere Ebenen versetzt [den Keller?!]. Aber so sind Anfänge nunmal, merkwürdig weit entfernt... Diese Folge barg sehr viel Tageslicht, einige nette Naturaufnahmen und frühen 90er Flair [d. h.: brr]. Die Nachtszene am Anfang der Folge, als die Entführung vonstatten ging, wird schließlich auch erhellt, während in der Dunkelszene am Ende der Episode wiederum grelle Lichter den Agenten und die menschliche Antenne blenden wollen. Also, das Licht herrschte am Anfang [bibelfeste Leute können mich auf die andere Wange hauen], ab wann hat dann die Dunkelheit angefangen? Ich schätze "Das Labor" war solch ein Wendepunkt. Zum ersten Mal bekamen die Agenten die Auswüchse einer außerordentlichen Gefahr zu spüren, die ihr Verständnis von der Welt gehörig durcheinander
brachte. Scullys Entführung war dann des letzten Endes Schluss: der Standardspruch der Serie "Vertrauen Sie niemanden" war nun endgültig etabliert. Mit diesem Misstrauen zogen nun also dunkle Wolken auf und es sollte kaum eine weitere Episode ohne diesen Touch daherkommen. Wenngleich diese Folge niemals so düster ist wie etwa "Paper Hearts" [Die Sammlung, XF 4 x 08], haben Unsicherheit, Angst und Mysteriöses auch schon in früheren
Zeiten eine große Rolle gespielt.
Was die musikalische Untermalung solch einer Atmosphäre angeht, muss ich Mark Snow wirklich mal beglückwünschen, der Score war nie aufdringlich oder theatralisch. Und wenn ich schon mal bei der Lobhudelei [furchtbarer Ausdruck] bin, noch ein nettes Wörtchen für die Leute, die das binäre Bild von Ruby Morris erstellt haben, neidvoll gut gemacht!
Rohr frei pour Mulder encore un fois ['conduit' ist aus dem Französischen und bedeutet Rinne, Röhre oder Leitung]! Was mich wirklich am meisten gestört hat, als ich anfing die Serie regelmäßig zu sehen, waren Mr. Mulders Soloaktionen, die Scully zumeist ziemlich schlecht aussehen ließen. Während sie der festen Ansicht war, dass hier lediglich ein ordinäres Verbrechen vorläge, stemmte er sich dank seines Samantha-Erbes mit mysteriösen Ahnungen dagegen. Er behielt natürlich recht, aber... auf eine unfreundliche Art und Weise, für fast alle Beteiligten: Scully ist durch das unerklärliche Element fasziniert, aber noch unschlüssig, wie sie damit umgehen soll und Rubys Familie wird
vermutlich mehr Traumata zu verarbeiten haben, als Mulder mit seinem "sprechen Sie die Wahrheit aus" je ausmerzen könnte. All das, woran er [noch] glaubt hat sich in dieser Folge widergespiegelt, 'bureaucracy sucks' und "Die Wahrheit ist irgendwo da oben"; es war eine kaum zu fassende Stimmung, die sich da zusammenbraute und sie war nie so spooky wie in den ersten zwei Staffeln. Ja, wirklich! Dieses langsame Herantasten an das große Geheimnis der
viel geschundenen Wahrheit, die Paranoia gegenüber Autoritäten [Militär, Regierung], die zu jenen Zeiten ungleich schwächer ausgeprägt war, die noch zögerliche Verbundenheit zwischen Scully und Mulder [es hat für die Genehmigung des Falles ausgereicht], all das gehörte den frühen Akte X-Jahren. Humor fand sich dann später ein, genauso wie John Shiban mit seinen Gruselmärchen, genauso wie splatterhafte Widerlichkeiten [Blutschande], genauso wie der Akte X-Kinofilm, genauso wie kalifornische Locations, genauso wie eine gläubige Scully und ein zweifelnder Mulder. Hm, der Anfang ist ein schön' Ding gewesen... genug, der Nostalgie! Noch gehören die X-Akten zum gegenwärtigen Leben dazu. [Up to date in Sachen Mode? Ich will wirklich kein Comeback vom Karree erleben.]
Signale! Der Junge empfängt sie aus einem testbildrauschenden Fernseher, Unmengen von Nullen und Einsen, die das Bild seiner verschwundenen Schwester formen, Fragmente des kulturellen, biologischen und technologischen Fortschritts mit eingeschlossen. Beeindruckend! Die böse Warumfrage drängt sich natürlich auf, aber für X-Philes ist das ein einzig großes Tabuthema, Antworten, bäh, unwichtig. Mulder mit seinen Kenntnissen in Sachen Aliens, der zu Glas erstarrte Sand, Rubys ungewöhnliche Blutwerte und der UFO-Rocker mit dem angematschten Ohr singen vereint den verwirrt-die-Zuschauer-ein-wenig-Blues, aber auch daran sollten wir uns noch gewöhnen. [Scully auch?!] Wo auch immer Ruby war, ihr wurde das Schweigen anbefohlen [wo ist MUFON, wenn man es braucht?!], wiederum also keine Antworten, Kevin weiß selbst nicht, was ihn da kontaktet und Darlene ist verbittert, dass ihr nie geglaubt wurde, ein Grund mehr, nichts zu erfahren.
Tja, fünf Jahre später wissen wir vom Wie, von Wem bzw. Was, sogar vom Warum, nur das Wann ist noch nicht enthüllt worden. [W1: Pockenimpfungen, Fernsehen, Klone; W2: die Grauen und die Rebellen, das Konsortium, Alex Krycek; W3: Kolonisation, Rückeroberung?!; W4: Fight the Future #10 vielleicht?!]
Dass Greg Randalls Tod so beläufig daherkommt, fand ich, ehrlich gesagt, übel; so kann man sich auch die Unterhaltszahlungen vorenthalten! Das Zuständigkeitsgeplänkel fand ich auch sinnlos, Mulder ignoriert sowieso jegliche Vorschriften, siehe Fund von Greg. Diese Szene hat mich übrigens an "Paper Hearts" erinnert, auch da gräbt Mulder nach einer vermeintlich Toten, nur dass es seine Schwester hätte sein können. Diese Samantha T. Mulder, eine X-Akte, eine Tür, hinter der ihn leerende Gähne erwartet... zumindest einen Teil von ihr konnte er durch Ruby retten.
Eine letzte Warumfrage: wieso weiße Wölfe? Falls mir das irgendetwas sagen sollte, ich habs nicht geschnallt. Wäre das eine Voyager-Folge [da! meine Obsession] würde ich einen spirituellen Führer vermuten, jedoch am Ort des Verbrechens angekommen, erwies sich das Fellknäuel dann als Aasgeier. Na, wenn das nicht metaphorisch ist.
Scullys Rolle hatte ja noch immer die observierende Note zu bieten, die ihr Chief Blevins [wenn ich mich nicht irre, war das hier sein letzter Auftritt für die nächsten vier Jahre] aufgetragen hatte. Na, Besserung war in Sicht: ihr anfängliches Gezwinkere, bei der Nennung von kleinen grünen [ja, ja grauen] Männchen etwa, hatte sie hier gut im Griff. Der Zwischenfall mit der NSA, dem geheimsten Geheimdienst der Welt, hat dann allerdings gezeigt, dass ihr Vorschriften und Ordnung noch zu tief in den Knochen steckten, ganz zu schweigen vom Skeptizismus, ihrer einzigen Verteidigung gegen Mulders Leichtsinnigkeiten und zugunsten seines Überlebens.
Regressiv zu beurteilen ist schon eine fiese Sache, Mulders und Scullys Beziehung ist schließlich in heutigen Zeiten positiver und tiefsinniger geworden, während sie am Anfang der Serie eher an ein Katz- und Maus- [bitte jetzt keine Personifikationen] Spielchen erinnerte. Da ich weiß, wie gut die beiden zusammenarbeiten können, war es wirklich eigenartig, festzustellen, wie grundverschieden sie wirklich einmal waren. Dass Mulder seine Beweggründe dennoch mit seiner neuen Partnerin teilen konnte [das Tür-Beispiel] und Scully sich die Regressionsitzungsbänder angehört hatte, gereichte meiner Disharmoniephobie dann zum Ausgleich. Es war ja erst die vierte Folge der Serie und ex nunc
war Großes zu erwarten! Aufnahmetechnisch hat sich ja gottseidank auch was getan, vom Klarumrissenen zum Diffus-Grünleuchtenden zum Besseren. Hey, von wegen Technik, es waren keine störenden Handysignale weit und breit zu finden, wann hat das eigentlich angefangen?!
Ob die von Pro Sieben eine gewisse Kontinuität einhalten oder eher nach dem Runterzählschema verfahren: 10 - 1 der beliebtesten Folgen werden gezeigt? Vielleicht sehe ich demnächst "Die Kolonie Teil II", was an sich schwachsinnig wäre ohne Teil I, die beide übrigens gesondert gewählt werden sollten. Hauptsache, die neue [siebte] Staffel der X-Akten wird nicht beschnitten, verschoben, parallel zu Big Brother-Die Fortsetzung gesendet, denn: nur Montags ist Mysterytag, wie eine apokalyptisch angehauchte Stimme uns schon seit Jahren [Nostalgiealarm] verkündet, okay, es war auch schon mal Dienstags oder Donnerstags, aber Montags...
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